Gleisreste und eine Wiegestation erinnern an einen früheren Steinbruch


Die Wiegestation befindet sich auf Tittlinger Gemeindegebiet direkt neben dem Radweg, auf dem früher die Bahnlinie Deggendorf – Fürstenstein – Tittling – Kalteneck verlief. Heute sind noch Gleisreste, Teile der Wiegestation und eine Blechhütte vorhanden.

Der Steinbruch, aus dem die Steine zum Verladen und Wiegen hierher geschafft wurden, lag im Talgrund östlich des Fürstensteiner Baches (hier Gemeindegrenze) auf Fürstensteiner Gebiet.

Dieser sog. „Wolfsbruch“ (auch: „Wolfenbruch“ - benannt nach einem etwa 500 m entfernten Anwesen der Familie Wolf) wurde von Dr. Eugen Rucker (geb. 1900 in Höchstädt/Schwaben) aus Regensburg betrieben. Rucker war Inhaber der Fa. „Steinindustrie Dr. Rucker“ in Regensburg.

Der Steinbruch wurde vor dem 2. Weltkrieg in Betrieb genommen, während des Krieges stillgelegt und danach wieder bis etwa 1954 betrieben.

Im Wolfsbruch gab es hellblauen Granit, der sich gut zu Pflastersteinen verarbeiten ließ. Insgesamt arbeiteten im Bruch und in den Hauhütten etwa 10 bis 20 Personen, darunter zwei Schmiede.

Es wurden Kleinpflaster und „Hamburger“ hergestellt, ein Großpflaster im Format von exakt 15/17, das ausschließlich in der Hansestadt Hamburg verwendet worden ist.

Vom Steinbruch im Tal führten zwei parallele Industriegleise über eine Brücke beim Fürstensteiner Bach zur künstlich angelegten Böschung beim Gleisanschluss der Wiege- und Verladestation auf Tittlinger Gebiet. Auf einem sog. „Bremsberg“ (Prinzip der schiefen Ebene) wurde beim Heraufziehen des beladenen Rollwagens der zweite, leere Wagen nach unten befördert. Die Fundamente der Bergstation für das dazu erforderliche Dieselaggregat und die Untersetzung für die Seilführung sind noch heute im Böschungsbereich erkennbar. Von der Böschung aus gelangten die Pflastersteine über eine Rutsche in die bereitstehenden Waggons.

Anschließend erfolgte zur Berechnung der Frachtkosten das Feststellen des Ladegewichts.

Die Waage befindet sich neben dem Wiegehäuschen. Der mit den Pflastersteinen beladene Waggon wurde auf die sich zwischen den Bahngleisen befindliche Wiegeeinrichtung gefahren. Nun wurde er von einem Bahnbediensteten per Hand mit einer Kurbel im Wiegehäuschen und über Untersetzungsrollen etwas angehoben, sodass seine Räder keine Schienenberührung mehr hatten und ein Wiegen möglich wurde.

Im Jahr 1954 gab es in Tittling an der Eisenbahnlinie diesen Gleisanschluss (Lade- und Wiegestation für den Wolfenbruch), den Westbahnhof als Verladestation der Steinindustrie und den Gleisanschluss des Steinbruchs Rieger und Seil. Auch am Bahnhof Tittling wurden Steine verladen und in der Nähe des Raiffeisenlagerhauses noch bearbeitet (Schleiferhütte der Fa. Kerber, Steinbruch Höhenberg).

In den Steinbrüchen selbst gab es damals meist ein betriebseigenes Schmalspur-Schienensystem mit Rollwägen, Weichen und Drehscheiben zum Befördern der Steine und des Abraums.

Der Bremsberg für den Wolfenbruch ist heute nur noch schwer zu erkennen. Im Granitzentrum Hauzenberg hat man diese historische Besonderheit in einem besonderen Projekt dargestellt.

HZ 2015