Kleinbrauereien im früheren Schulhaus von Tittling


Die kleine Brauerei des Josef Hirz im späteren „Raster-Metzger-Anwesen“, eine kurze Episode von etwa 1870 bis 1873


Der Zimmermann Lorenz Hirz und Maria Graf, beide aus Peilstein/Mühlviertel, heirateten 1760 in Tittling und übernahmen das Anwesen Lederergasse 12. Auch die nachfolgenden Generationen üb­ten den Zimmererberuf aus.

Der Zimmerer Josef Hirz, ein Enkel von Lorenz Hirz erbaute 1829 das Anwesen Am Blümersberg 3. In den Grundsteuerakten ist 1842 der Erwerb des ca. 1900 m² großen, westlich angrenzenden Grundstücks mit der Namensbezeichnung „Hopfengarten“ vermerkt. Es stammte aus dem Besitz des Hofwirtshauses am Marktplatz (heute Marktplatz 15, Mode Heppel, früher Pfarrhof).

Was wie eine unbedeutende Randnotiz aussieht, entpuppt sich als erster Hinweis auf die spätere kleine Brauerei im früheren Raster-Metzger-Anwesen.

Ob dieser Hopfengarten eine Arrondierung seines Anwesens gewesen ist oder Hirz Hopfen an die Brauerei Mayer verkauft hat, bleibt im Dunkeln. Die Berufsangaben in den Matrikeleinträgen der Familie Hirz in den Folgejahren sind aber weiterhin Zimmermann.

1864 übernahm der Sohn Josef Hirz jun., der im gleichen Jahr die Baderstochter Johanna Fröhlich geheiratet hatte, das Anwesen.

Während bei seiner Heirat 1864 die Berufsbezeichnung „Zimmermann“ lautet, wird er bei der Ge­burt von Kindern 1871 als Bräuer und 1873 als Kleinbierbrauer bezeichnet. Es muss also ein Be­rufswechsel stattgefunden haben, der vom Expositus bei den Taufeinträgen dokumentiert worden ist.

Spätestens ab dieser Zeit hat er wohl den selbst angebauten Hopfen ganz oder teilweise für die eige­ne Bierherstellung verwendet. Es muss aber eine Berufsausbildung zum Bierbrauer vorausgegangen sein.

Die Bezeichnung Kleinbierbrauer deutet an, dass die Bierproduktion im kleineren Umfang erfolgte. Dies gilt insbesondere dann, wenn nur Hopfen aus eigenem Anbau verwendet worden ist. Nach ei­ner überschlägigen Berechnung ergäbe das einen jährlichen Bierausstoß von etwa 10 hl.

Josef Hirz hatte aber größere Pläne. 1873 verkaufte er das Anwesen Am Blümersberg 3 an Josef Raster und übernahm im gleichen Jahr von seinem Bruder Karl das Anwesen Lederergasse 9 (heute Metzgerei Wagner).

Der Kleinbrauer Josef Hirz zieht in die Lederergasse um

Das Anwesen Lederergasse 9 beherbergt heute die Metzgerei Wagner, vormals die Metzgerei Bauer/Kössl. Bekannt ist es als erstes Schulhaus, das um 1700 im Besitz des Schullehrers Johann Brunner war. Es folgten die Schulmeister Huttner, Setzer, Gröll und Kapsner. Georg Kapsner war der letzte Schullehrer, der die Tittlinger Kinder in seinem Privathaus unterrichtete. Nach dem Bau des ersten gemeindlichen Schulhauses 1836 in der Herrenstraße wurde dieses Anwesen zum reinen Wohnhaus, in dem später Kapsners Sohn Johann Baptist, ebenfalls ein Lehrer und dessen Ehefrau Theres lebten. Deren Tochter Katharina heiratete den Hausbesitzer Ludwig Hirz, der einer Zimmererfamilie entstammte.

Im Jahr 1873 fanden zwei Besitzübertragungen statt, zuerst an den Bruder Karl Hirz, der mit Fran­ziska Kapsner verheiratet war und schließlich an den weiteren Bruder Josef Hirz, der mit der Baders­tochter Johanna Fröhlich verheiratet war.

Um diese Zeit wurde die Brauerei Hirz in der Lederergasse 9 gegründet. Josef Hirz hatte sich bereits um etwa 1870 bis 1873 in seinem früheren Besitz Am Blümersberg 3 als Brauer betätigt.

Nach dem Tod der Ehegattin Johanna heiratete der Bierbrauer Josef Hirz 1877 in 2. Ehe Maria Neu­meier.

1879 ist in den Grundsteuerakten die abgeschlossene Umbaumaßnahme für die Brauerei eingetra­gen: Bau einer Malzdörre, Gebäudebeschreibung: Wohnhaus mit Stall und Stadel, Sudhaus, Malz­dörre und Gewölbe, Hofraum.

Offenbar blieb aber der erhoffte wirtschaftliche Erfolg aus, denn schon 1880 wurde der Besitz von Josef Nürnberger aus Nürnberg im Wege der Versteigerung erworben.

Georg Edmaier erwirbt das Anwesen mit der Kleinbrauerei


1881 erwarben der aus Fürstenstein stammende Georg Edmaier, bei der Heirat Braumeister in Rathsmannsdorf und seine Frau Anna, geb. Streifinger von Hohenwart das vormalige Hirz-Brauereianwesen in der Lederergasse. Anna Streifinger arbeitete vor der Ehe als Köchin in Rathsmannsdorf. Da lag es nahe, dass die Ehe­leute zusätzlich zur Brauerei eine kleine Gastwirtschaft einrichteten.

1886 wurde eine Holzlege erbaut, wohl für das benötigte Brennholz für die Malzdörre.

Um 1893 endete der Braubetrieb. Bei seinem Tod am 13. April 1898 wurde der 56-jährige Georg Edmaier auf dem Sterbezettel nur noch als Gastwirt bezeichnet.

Das Braurecht wurde 1893 (amtlicher Eintrag im Jahr 1895) auf das in der Nachbarschaft liegende Anwesen Lederergasse 1 transferiert, wo Markus Hausinger eine Braun- und Weißbierbier­brauerei eröffnete.

Hintergrund der Übertragung der Braurechte dürfte die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Markus Hausinger und Anna Edmaier, geb. Streifinger (Cousin/e 1. Grades) gewesen sein.

Josef Mayr, der auf das Edmaier-Anwesen eingeheiratet hatte, führte das Gasthaus weiter. Die Brauereiräume wurden zu einer Metzgerei umgebaut.

Herbert Zauhar, 2016