Der "Weißbräu" des Markus Hausinger


Für die älteren Tittlinger ist der „Weißbräu“ auch noch Jahrzehnte nach dem Ende des Braubetriebs ein fester Begriff. Zuletzt war er ein Synonym für den Gasthof „Tittlinger Hof“, der früher zur Weißbierbrauerei dazu gehörte.

Der Beginn des Weißbräus war 1893, dem Jahr, in dem der Bau der heutigen katholischen Pfarrkir­che St. Vitus fertiggestellt worden war.

Das Gebäude am Anfang der Lederergasse war vormals Wohn- und Werkstätte eines Seifensieders. Auch eine kleine Landwirtschaft gehörte dazu.

1876 erwarben Ferdinand Hausinger und seine Frau Maria, geb. Streifinger das Anwesen und er­richteten hier später zusammen mit ihrem Sohn Markus eine Weiß- und Braunbierbrauerei.

Die benötigten Braurechte wurden von der in der Nachbarschaft liegenden Brauerei Edmaier hier­her transferiert. Hintergrund der Übertragung der Braurechte dürfte die verwandtschaftliche Bezie­hung zwischen Markus Hausinger und Anna Edmaier, geb. Streifinger (Cousin/e 1. Grades) gewe­sen sein.

Aus der Zeit um etwa 1893 liegt eine Gebäudebeschreibung vor: Wohnhaus, Stallungen, Weiß- und Braunbierbrauerei, Holzlager, Gärkeller, Abort und Hofraum.

Am 1. Oktober 1893 fand die 1. Bierprobe statt, über die in der Donauzeitung ausführlich berichtet wurde.

Zur Verkostung seines „Weizenbiergebräus“ hatte Ferdinand Hausinger geladen (Vater von Markus Hausinger). Der Besuch war gut. Dann folgt eine Lobeshymne auf das erste Weißbier der Brauerei Hausinger. „Der Trank ist wirklich köstlich. Das Bier ist von schöner reiner Farbe, perlend wie Schaumwein, von deliciösem Geschmack, kräftig und somit von vorzüglicher Güte. In seiner Wir­kung auf den Trinker von wohlbehaglicher Natur.“ Der trinkfeste Lokalredakteur war vom Gebräu offensichtlich angetan und hat kräftig beim Freibier zugelangt. „Wir haben … erkleckliche Halbe geschlürft und sind am frühen Morgen in der ungetrübtesten Körper- und Seelenstimmung erwacht. Der Trank ist also auch gesund und gesundheitsstärkend. Es ist dies sehr erfreulich. Wir freuen uns für Herrn Hausinger über den schönen ersten Erfolg. Darum nur Mut und kräftig im Gehalte weiter­gesotten.“

Das Brauereigeschäft für das Weißbier, das Hausinger ausschließlich braute, verlief offensichtlich gut, denn 1897 erfolgte der Neubau eines Lagerkellers mit Fasshalle und überbauter Holzschupfe in der Herrenstraße 36 in Höhe des Friedhofs.

Das Bier wurde hauptsächlich in der eigenen Gastwirtschaft ausgeschenkt.

In einem Inserat lud Markus Hausinger zu seinem am 11. und 12. Dezember 1898 stattfindenden Märzenbier ein. Als Berufsbezeichnung nannte er Braun- und Weißbierbrauer.

In einem weiteren Inserat im Jahr 1903 suchte er für die sofortige Beschäftigung einen tüchtigen Bräuburschen.

Der Bierstreik von 1910, über den schon bei der Schlossbrauerei Mayer ausführlich berichtet wor­den ist, schlug auch im Gasthaus Weißbräu hohe Wellen.

Der 1. Weltkrieg brachte großes Leid über die Brauersfamilie Hausinger. Am 23. Januar 1915 wurde der Sohn Markus Hausinger zum Militär eingezogen, nach einer Verwundung starb er am 25. Juli 1916 im Alter von 19 Jahren in Liverpool in Kriegsgefangenschaft.

Vom August 1915 bis zum Februar 1916 musste auch der Vater Markus Hausinger Militärdienst leisten.

Im 1. Weltkrieg mussten die Brauereien eine Aufstellung über den Braubetrieb abgegeben.

Die entsprechende Erklärung des Brauers Markus Hausinger aus dem Jahr 1917 enthält eine Reihe interessanter Details über die frühere Weißbierbrauerei.

Markus Hausinger gab im behördlichen Fragebogen handschriftlich ausführlich Auskunft: Demnach lag das eigene Braukontingent 1912/1913 bei 13 Doppelzentnern (zum Vergleich Schlossbrauerei Mayer: 534,45 dz). Die Schüttung des Sudwerks lag bei 1,5 dz für obergäriges Bier (Schlossbraue­rei Mayer: 6 dz). Das Sudwerk war „einfach“. Die gesamten Gefäße im Gärkeller hatten ein Fas­sungsvermögen von 10 hl (Schlossbrauerei Mayer: 80 hl). Lagerfässer waren nicht vorhanden. Es wurde nur Weißbier hergestellt. Außerhalb des Kontingents konnte nichts mehr erzeugt werden. Die Maische wurde mit Holz und Braunkohle erhitzt. Die Kohle wurde von Gastinger aus Hutthurm be­zogen. Der wöchentliche Kohleverbrauch lag bei einem Zentner. Bei Abgabe des Fragebogens gab es keinen Kohlevorrat, der Holzvorrat betrug 20 Ster. Es wurde nur für den Verbrauch in der eige­nen Gaststätte gebraut.

Nach längerem schweren Leiden verschied am 12. Juli 1929 sanft der Weißbierbierbrauer Markus Hausinger im Alter von 59 Jahren. Seine Ehefrau Kathi führte den Betrieb weiter.

1930 wurde im Tittlinger Waldboten inseriert: „Trinkt Tittlinger Perle aus der Weißbierbrauerei Markus Hausinger, Tittling. Das beste und bekömmlichste Weizenbier. Zu haben in den meisten Gasthäusern der Umgebung.

Auf dem Sterbezettel des 1906 geborenen und 1943 verstorbenen Sohns Josef wird als Berufsbe­zeichnung Bierbrauer angegeben, was den Weiterbetrieb dieser kleinen Brauerei durch diesen Sohn Josef vermuten lässt. Der Besitz des Weißbräus ging 1934 an dessen Schwester Katharina, verehe­lichte Wilhelm über.

Im Jahr 1937 wurde das Anwesen an die Brauerei Aldersbach verkauft, die auch schon vorher Bier aus ihrer Brauerei hierher zugeliefert hatte.

Agnes Stümpfl, eine Tochter des Markus Hausinger pachtete das Gasthaus „Tittlinger Hof“ oder den „Weißbräu“, wie die Tittlinger das Gasthaus weiterhin nannten. Ihr Ehemann, der Brauer Lud­wig Stümpfl führte den Braubetrieb noch bis zum Kriegsbeginn 1939 weiter.

Im Jahr 1953 schien es so, als ob es eine Wiederaufnahme der Weißbierbrauerei geben könnte.

In diesem Jahr übernahm der Brauer Johann Hartmannsgruber aus Straubing, der 1957 die heutige Volksfesttradition begründet hat, den Tittlinger Hof als Pächter. Er wollte nach Überholung der Brau­einrichtung, die ja von früher noch vorhanden war, in drei bis vier Wochen mit dem Weizen­bierbrauen beginnen. So bekäme Tittling wieder sein Weißbier.

Ein Zeitungsbericht gute vier Monaten später schien dies zu bestätigen. Unter dem Kürzel „hs“ be­richtete Walter Herles über eine erste Sud.

Die Brauerei Aldersbach ließ die Brauanlage überholen. Vom Braumeister Bötsch aus Aldersbach wurde der erste Sud vollzogen. Nach einem alten Brauerbrauch wurde die Arbeit mit einem „Gott gebe Glück und Segen drein!“ begonnen. Der jetzige Pächter, der Brauer Hartmannsgruber sollte vom Braumeister Schlag eingearbeitet werden. Man versprach sich ein besonderes Weißbier, da das Titt­linger Wasser geradezu Pilsener Charakter habe. Der Ausschank des neugebrauten Biers war in etwa vier Wochen geplant. Es war vorgesehen, alle acht Tage eine neue Sud im 31 Hektoliter fas­senden Kessel durchzuführen.

Es blieb aber offensichtlich bei dieser Ankündigung. Es gab keine weiteren Berichte über den Fort­gang des Geschehens. Auch Zeitzeugen können sich nur vage an einen Brauversuch erinnern, das Vorhaben sei irgendwie im Sande verlaufen.

Der traditionelle Gaststättenbetrieb im Tittlinger Hof oder dem „Weißbräu“ mit dem Gesellschafts­tag am Dienstag wurde mit wechselnden Pächtern bis 2005 fortgeführt. Seit dieser Zeit ist hier das Bistro-Pub Filou beheimatet.

Herbert Zauhar, 2016