Der Kaufmann Josef Machhaus errichtete 1913

ein „Waschhaus“ am Bergsteigerl, das von der Berggasse zum Blümersberg führt.

Machhaus betrieb um diese Zeit ein Kaufgeschäft am Marktplatz 7 (heute Dreiburgenapotheke). Er besaß außerdem das Salzmonopol für den Bayerischen Wald, ver­kaufte Schießpulver für die umliegenden Steinbrüche und betrieb einen Treibstoffhandel.

Josef Machhaus (1859 – 1930) war ein Spross des angesehenen Kaufmannsgeschlechts Machhaus, das 1662 aus Mainz kommend, in Tittling über drei Jahrhunderte ansässig und erfolgreich tätig war.

Das Hauptgeschäft der Familie Machhaus war am Marktplatz 5 (heute Eiscafé/Bistro und Zahnarzt­praxis) und wurde um diese Zeit von seinem Neffen Hermann Machhaus (1896 – 1933, Sohn von Martin Machhaus) betrieben. Beide Geschäfte gingen 1926 bzw. 1933 an andere Besitzer über.

Das letzte Geschäft der Linie Machhaus wurde von Hermanns Bruder Josef Machhaus (1899 – 1966) in der Berggasse 1 eröffnet. Josef Machhaus betrieb hier ein Warengeschäft, eine Sattlerei und ein Polsterergeschäft. Nach seinem Tod im Jahr 1966 führte seine Witwe Maria Machhaus den Betrieb als Lebensmittelgeschäft und Lederwarenhandlung bis zu ihrem Tod im Jahr 1975 weiter. Nach der Aufgabe des letzten Geschäfts der Familien Machhaus wurden die Geschäftsräume vermietet.

Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 wohnte hier der letzte Namensträger Rudy (Rudolf) Machhaus. Er war Meister in den Bereichen Polsterer, Tapezierer und Innendekorateur. Sein beruflicher Weg führte ihn in die Schweiz, USA und nach Australien.

Ein eigenes Waschhaus war zu jener Zeit eine besondere Errungenschaft, die sich nur wenige Wohl­habende leisten konnten. So ein Waschhaus bot ausreichend Platz für die benötigten Geräte und man hatte die Waschdämpfe und den Geruch der Waschlauge außerhalb des Wohnbereichs.

Das Wasser bezog Machhaus vom Hochbehälter am Blümersberg, der 1911 von einer privaten Was­sergenossenschaft errichtet worden war. Diese hatte im gleichen Jahr beim sog. Gföhrerl, östlich von Gehersberg Grundwasser in einem Tiefbrunnen gefasst.

Das Grundstück für das Waschhaus von Josef Machhaus stammte aus dem früheren Besitz des Gastwirts Franz Xaver Baldini aus der Berggasse 8. Dessen Vater Valentin Baldini hatte das Grund­stück 1826 aus der Versteigerungsmasse des Graf Tauffkirchschen Maierhofs erworben.

Bald nach dem Tod von Josef Machhaus erwarb die Familie Rieger das Geschäftshaus am Markt­platz 7 und das dazugehörige Waschhaus. Auch bei den nachfolgenden Besitzern Müller und Eindl war dies der Fall.

Eindl verkaufte das Grundstück mit dem Waschhaus an die Familie Stadler, die es aber bald weiter verkaufte.

Ab 1968 wurde das Gebäude von der Familie Kubitschek als Geräteraum zur Bewirtschaftung des dazugehörigen Gartens benutzt. Zu dieser Zeit gehörten elektrische Waschmaschinen in den priva­ten Haushalten bereits zum Standard.

Im Jahr 2007 erwarb die Marktgemeinde Tittling das Waschhäusl und den dazu gehörenden Garten. Die Gemeinde und Mitglieder der Gruppe „Kunst und Kultur im Dreiburgenland“ haben das Objekt 2019 aufwändig saniert und künstlerisch neu gestaltet.

Der so geschaffene „Kunstgarten“ und das Waschhäusl mit musealen Einrichtungsgegenständen am Weg zu unserem Hausberg (Teil des Pil­gerwegs Via Nova) laden alle Wanderer zum Verweilen und Innehalten ein.

Herbert Zauhar, 2019