So lautete es großspurig in einem Wehrmachtsbericht. Die Wirklichkeit sah anders aus.


25. April 1945, Mittwoch (Markustag)

Eine Einheit der 11. US Panzerdivision stieß bei Hörmannsdorf auf heftigen Widerstand, den SS-Männer, Wehrmachtssoldaten, RAD-Männer und Hitlerjungen leisteten. Wegen der durch den Volkssturm im Schachert errichteten Barri­kaden aus gefällten Baumstämmen rückten die US-Streitkräfte von Hohenwart aus vor. Die Kämpfe begannen gegen 15.00 Uhr und endeten erst in der Nacht.

Anwesen in Stützersdorf, Hörmannsdorf, Gehersberg, Loizersdorf und das Anwesen Stecher beim Friedhof gingen in Flammen auf. Das Armenhaus in der Berggasse und die Apotheke wurden zerstört, Granaten schlu­gen auch in mehre­ren Dörfern ein. Es gab Tote und Verletzte, die Zivilbevölkerung suchte verzweifelt und oft erfolg­los nach sicheren Orten. Wie schon in den Vortagen verbreiteten Tiefflieger Angst und Schrecken. Die Versorgung des zurückgelassenen Viehs geschah unter Lebensgefahr.

Ruhe vor dem Sturm“

Zwischen dem 26. und 29. April kam es nur zu vereinzelten Beschießungen. Die 11. US-Panzerdivi­sion, die links der Ilz operierte und deren Haupttross schon Waldkirchen und das Wegscheider Land erreicht hatte, gönnte ihren Einheiten ab dem 27. April, 6.00 Uhr eine 48-stündige Verschnaufpause nach wochen­langem, schnellem Vorstoß. Fahrzeuge und Waffen wurden gewartet. Das Nachrücken anderer Ein­heiten, u. a. der 26. US Infanteriedivision sollte ermöglicht werden.

Die Bevölkerung wartete angstvoll auf die weiteren Ereignisse.

29. April 1945, Sonntag und die Zeit danach

Die Amerikaner rückten um die Mittagszeit von Thurmansbang – Rothau kommend auf Tittling vor und be­setzten den Ort. Die oft rigoros gegen die Bevölkerung vorgehenden SS-Männer hatten größ­tenteils vorher Tittling in Richtung Süden verlassen. Die verbliebenen Verteidiger, Wehrmachtssoldaten und Hitlerjungen aus Österreich leisteten nur noch geringen Widerstand.

Mehrere Gebäude, u. a. das Rathaus und der Bahnhof wurden durch Beschuss zerstört, andere be­schädigt. Die Pfarrkirche St. Vitus wurde gezielt beschossen. Wieder gab es Tote und Verletzte.

Am Nachmittag war die Besetzung des Ortes durch US-Kampfverbände abgeschlossen.

Die Wohnungen und Häuser der Marktbewohner wurden großteils vom US-Militär beschlagnahmt. Die Ein­wohner mussten nach Behelfsunterkünften suchen.

Das Gefangenenlager Insel für 15.000 deutsche Kriegsgefangene wurde errichtet. Auch dort herrschte Not und Elend.

Viele Schicksale von Vermissten sind bis heute ungeklärt. Sehnsüchtig wartete man auf Heimkehrer aus der Gefangenschaft. Hans Klampfl kam erst am 1. Dezember 1955 aus russischer Gefangen­schaft in seiner neu­en Heimat Tittling an. Bald danach starb er an den Folgen der Kriegsgefangen­schaft.

Die aus ihrer Heimat Geflüchteten und Vertriebenen verloren Hab und Gut, suchten verzweifelt nach Ange­hörigen und einer neuen Bleibe und blickten mit Bangen in die Zukunft.

Tittling wurde, wie alle anderen Orte auch, unter amerikanische Militärverwaltung gestellt.

Es dauerte lange, bis sich das Leben wieder normalisierte.

Gefallene und vermisste Bürger aus der Pfarrei Tittling im 2. Weltkrieg

Bei den Kämpfen um Tittling wurden mindestens 18 Personen getötet.

136 Tittlinger Mitbürger kamen auf den verschiedenen Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs ums Leben, um etwa 150 Vermisste wurde gebangt. In Witz­mannsberg waren es 59 Gefallene und 23 Vermisste.

Viele Soldaten kamen in jahrelange Gefangenschaft. Manche hatten ihr Leben lang wegen der erlit­tenen Ver­wundungen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Empfehlenswerte, weiterführende Literatur

Die Amerikaner kommen – Frühjahr 1945“, Heft 6 der Reihe Archiv für das Dreiburgenland, 1995

Die Berichte von Herbert Dorfmeister, Michael Fischl und Anton Biber sind eine Fundgrube für alle, die mehr über die dramatischen Tage Ende April 1945 in unserer Heimat erfahren wollen.

Bezugsquellen: Schreibwaren Dorfmeister, Herrenstraße und Verlag Dorfmeister, Bahnhofstra­ße

HZ 04.2015