Tittling im Dreißigjährigen Krieg


Der Beginn des 30-jährigen Kriegs 1618

ist heuer vielerorts Anlass, an die schreckliche Leidenszeit für die Menschen jener Zeit zu erinnern.

Besonderes schwere Kriegsplagen brachten unserer Heimat die Jahre 1633/34, 1641 und 1648, als die Schweden raubend, brennend und mordend durch den Bayerischen Wald zogen. Nicht weniger Leid für die Bevölkerung ging von den eigenen Truppen aus. Sie bestanden immer mehr aus Söldnern, die im Laufe des Kriegs immer mehr verrohten und die Seite wechselten, wenn es für sie profitabel war oder die marodierend durch die Lande zogen.

Auch Tittling musste im Dreißigjährigen Krieg leiden. Einige Ereignisse aus dieser Zeit sind überliefert.

In der 1723 veröffentlichten Beschreibung zum bekannten Kupferstich von Michael Wening findet sich ein entsprechender Hinweis für unseren Ort: „Hat von Brunsten (Feuersbrunst) nichts gelitten, außer daß, das Würthshauß sambt einem Hafnerhäußl durch die Schweden abgebrennet worden“. Bei den Gebäuden dürfte es sich um das frühere Hofwirtshaus (heute Marktplatz 15) und das Anwesen Lederergasse 16 gehandelt haben.

1634 wurde die Englburg durch die Schweden zerstört. Es liegt nahe, die in der Beschreibung zum Stich von Wening beschriebene Brandschatzung in Tittling ebenfalls diesem Kriegsjahr zuzuordnen. Dafür spricht auch ein deutlicher Rückgang der Geburten in der Expositur Tittling in den Jahren 1634 und 1635. Die Bevölkerung hatte in dieser Zeit Schlimmes zu erleiden.

Im Taufbuch von Tittling aus dem Jahr 1647 findet sich am 8. Mai ein interessanter Eintrag. Dieser lässt auf die Anwesenheit kurfürstlicher Truppen in Tittling schließen. Dem ist vorauszuschicken, dass die Truppen damals nicht nur von Marketendern begleitet worden sind, sondern zum Teil auch von Familienangehörigen.

Der Eintrag vom 8. Mai 1647 lautet: getauft wurde Nicolaus, (Sohn des) Bartholomäus Wolff, ehrengeachteter Fähnrich von Miltenburg am Main, ehelicher Sohn, (und der) Mutter Dorothea;

Taufpate: vornehmer/adliger und tatkräftiger Herr Graf Andreas, Rittmeister des hochlöblichen bölingischen Kürassier-Regiments.

Leider sind die Kirchenbücher der Pfarrei Neukirchen vorm Wald aus dieser Zeit nicht verfügbar und deshalb weitere Nachforschungen unmöglich.

Im Dreißigjährigen Krieg zog im Juli 1647 der Reitergeneral von Werth mit meuternden bayerischen Truppen von Vilshofen kommend durch Tittling in Richtung Perlesreut.

Auf bayerischem Gebiet machten die Soldaten durch Plünderungen und Raub reichlich Beute. Sie wollten dadurch Rache am bayerischen Hofkriegsrat nehmen, der sie laut von Werth dem Hungertod preisgeben wollte.

Von Werth hatte sich vom bayerischen Kurfürst Maximilian I losgesagt, als dieser einen Waffenstillstand mit den Schweden schließen musste und nicht mehr den Kaiser unterstützte. Der meuternde und vom Kurfürst geächtete von Werth wollte sich nun dem österreichischen Kaiser Ferdinand III anschließen. In Perlesreut traf von Werth die Abgesandten des Kaisers. Seine Soldaten und Offiziere, die aber immer noch dem bayerischen Kurfürsten loyal ergeben waren, sahen sich getäuscht und verraten. Alsbald erscholl aus aller Munde der Ruf „Vivat der Kurfürst von Bayern“. Von Werth musste um sein Leben fürchten und floh eilig, begleitet von wenigen Dienern, nach Böhmen in das österreichische Lager Wodnian.

Hungersnöte und Ausbreitung der Pest waren schlimme Folgen des Dreißigjährigen Kriegs. In Preming stand früher neben der Hauptstraße eine Säule mit der eingemeißelten Jahreszahl 1656. Zuletzt war auf dieser sog. „Pestsäule“ ein Hinweis angebracht, dass an dieser Stelle die Toten aus der Pestzeit in Tittling ruhen würden. Dies erscheint unwahrscheinlich, da Pesttote nicht in unmittelbarer Nähe eines Dorfes und einer Hauptstraße beerdigt worden sind. Außerdem gab es in unserem Raum in der Zeit um 1656 keine Pestepidemie. Eher dürfte die Deutung zutreffen, dass die Säule Ausdruck des Danks sei, dass der Ort von der Pest verschont worden ist oder/und der lange Krieg „Gott sei Dank“ vorüber war.

Heute steht die Säule im Museumsdorf Bayerischer Wald.

Herbert Zauhar, 2018