Den Gefallenen zum Gedächtnis – Den Lebenden zur Mahnung


In einer Aufstellung in der Süddeutschen Zeitung

im November 2017 wurden 15 Kriege seit 1504 aufgeführt, in denen in Bayern Krieg herrschte oder bayerische Soldaten aufgrund von Bündnisverpflichtungen außerhalb des Landes Kriegsdienste leisten mussten.

Hinzu kommen noch mehrere regionale Auseinandersetzungen.

Auch unsere Vorfahren waren davon betroffen oder mussten sich daran beteiligen, teilweise fernab der Heimat.

Der Bau der Burgen Englburg (1396/97) und Saldenburg (1368) zeigt, dass für die Erbauer die Notwendigkeit bestand, ihr Herrschaftsgebiet und ihre Macht abzusichern und gegen feindliche Angriffe gewappnet zu sein. Es könnte sein, dass auch die Schlösser Witzmannsberg und Fürstenstein in diesem Jahrhundert der Burgneugründungen erbaut worden sind.

In Lueg wird 1396 von einem begonnenen, letztlich aber nicht vollendeten Bau einer Veste berichtet.

Diese und weitere Burgen waren von weitem sichtbar und hatten untereinander Sichtkontakt.

Anders war es bei den Burgen Dießenstein (1347) und Fürsteneck (um 1200). Diese wurden in eher versteckter Lage erbaut.

Die im 15. Jahrhundert angenommene Zerstörung der exponierten Burg Hohenwart durch die Hussiten war sicher nicht die erste kriegerische Auseinandersetzung in unserer Heimat. Davon betroffen waren die Bevölkerung und die Männer, die von den jeweiligen Herrschaften zum Waffendienst beordert worden waren.

Große Leidenszeiten brachte der 30-jährige Krieg (1618 – 48) mit sich. Tittling und Englburg waren besonders im Jahr 1634 davon betroffen. Darüber hinaus kam es immer wieder zu Truppenbewegungen, unter denen die Bevölkerung zu leiden hatte.

Schrecken verbreitete Trenck der Pandur, der mit seinen Panduren im österreichischen Erbfolgekrieg (1740 – 48) plündernd und brandschatzend durch unsere Heimat zog. Tittling konnte sich laut Max Peinkofer 1742 durch eine sog. Kontribution freikaufen. Das Schloss in Witzmannsberg wurde von den Panduren niedergebrannt.

Im Sterbebuch von Neukirchen vorm Wald sind am 20. und 22. November 1742 je ein Todesfall eines unbekannten Soldaten vermerkt. Bei einem wurde Preming als Sterbeort angegeben.

Auf dem Weg von Tittling nach Passau dürften die Panduren durch Pretz und vorbei an St. Kolomann nach Passau gezogen sein.

Diesen Schluss lässt ein Eintrag beim Anwesen Koller in Pretz kurz nach dem Durchzug der Kriegshorde zu. Ein Bartlmä Koller bekam den Hof 1749 im Leibrecht verliehen, „solcher in Kriegstrubln sehr ruiniert und hinabkommen war“.

Im Napoleonischen Krieg (1792 – 1815) mussten sich 30.000 bayerische Soldaten an Napoleons Russlandfeldzug beteiligen. Nur 3.000 kamen zurück.

Aus dieser Zeit ist erstmals ein Tittlinger namentlich dokumentiert. Der Krämersohn Lorenz Henrizi aus Englburg (heute Hausnummer 34) kam im Feldzug nach Frankreich 1813/14 verletzt in ein Kriegslazarett. Nach dem 1. Oktober 1814 blieb sein Schicksal trotz Nachforschungen ungeklärt. Er war sicher nicht der einzige Soldat, der aus unserer Region stammte.

Am Schleswig-Holsteiner Feldzug im Jahr 1849 musste der Hafnermeister Josef Loos aus Loizersdorf teilnehmen. Eine Formulierung in der Donauzeitung bei seinem Tod im Juni 1897 deutet auf die Teilnahme weiterer Tittlinger Männer an diesem Kriegseinsatz hin.

Maximilian Josef Friedrich von Tauffkirchen zu Englburg war im Krimkrieg 1854 Oberst beim türkischen Militär in der türkischen Festung Silistria.

Im Jahr 1858 wurde der Soldaten- und Kriegerverein Tittling gegründet. Bei der Gründung gehörten ihm 109 ausgediente Krieger aus den Gemeinden Tittling, Witzmannsberg, Neukirchen v. W. und Fürstenstein an.

Bayernweit entstanden nach den Napoleonischen Kriegen Veteranenvereine. Ob die Vereinsgründung in Tittling diesem Trend folgte oder der Schleswig-Holsteiner Feldzug neun Jahre davor ausschlaggebend war, lässt sich nicht mehr klären.

Vom Krieg gegen Frankreich im Jahr 1866 sind einige Namen von Tittlinger Kriegsteilnehmern dokumentiert: Gastwirt Georg Edmaier, Hutmacher Xaver Münichsdorfer, Bäcker und Metzgermeister Georg Duschl, Metzgermeister Joseph Simmerl („zum Richter“), Gütler Georg Söldner und Sattlermeister Josef Hafner. In der Donauzeitung wird auch der Gütler Johann Edmeier aus Witzmannsberg genannt.

Im Krieg 1870/71 gegen Frankreich waren sechs Gefallene aus der Gemeinde Tittling und ein Gefallener aus der Gemeinde Witzmannsberg zu beklagen. Ihre Namen stehen heute auf einer Gedenktafel am Kriegerdenkmal und im Zugang zur Unterkirche.

Josef Fink aus Tittling war um 1900 Mitglied der kaiserlichen Schutztruppe in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia).

Über die Schrecken des 1. und 2. Weltkriegs (1914 – 18 bzw. 1939 – 45) wurde schon früher in diesem Mitteilungsblatt berichtet. Die Namen der Toten aus den beiden VG-Gemeinden kann man an den jeweiligen Gedenkstätten nachlesen. Ortsfremde Personen, die im Raum Tittling ums Leben kamen, haben zum Großteil in der Kriegsgräberstätte in Hofkirchen ihre letzte Ruhestätte gefunden.

An die Gefangenen und Vermissten des 2. Weltkriegs erinnert eine Gedenktafel neben dem Haupteingang der Tittlinger Pfarrkirche.

In neuerer Zeit verrichten Soldaten und Soldatinnen aus unseren Gemeinden Friedenseinsätze im Rahmen von UN-Missionen.


Das Tittlinger Kriegerdenkmal


Nach dem Schrecken des 1. Weltkriegs mit vielen Toten und Verwundeten aus Tittling und Witzmannsberg, errichteten beide Gemeinden ein Denkmal zur Erinnerung an die Toten am Tittlinger Marktplatz.

Am 5. Juni 1922 fand die feierliche Einweihung des Kriegerdenkmals statt.

Vorher gab es nur eine Gedenktafel für die im Krieg 1870/71 Gefallenen aus Tittling und Witzmannsberg. Diese Tafel hängt heute im Eingang zur Unterkirche der Pfarrkirche St. Vitus.

Das Kriegerdenkmal wurde vom Steinmetz Söldner aus Tittlinger Granit geschaffen.
Am unteren Teil des Denkmals war zu lesen: „Gewidmet von den dankbaren Gemeinden Tittling, Witzmannsberg“. Darüber und an den Seiten waren die Namen der Toten des 1. Weltkriegs aus den beiden Gemeinden eingemeißelt.

Im Jahr 1955 wurde das Denkmal grundlegend saniert. Die verwitterte Steinschicht wurde abgestockt. Dabei wurden die Namen der Gefallenen des 1. Weltkriegs entfernt.
Auf der Frontseite wurde die neue Inschrift „Den Gefallenen zum Gedächtnis – Den Lebenden zur Mahnung“ eingemeißelt.


Eine Planung aus dieser Zeit, die eine Erweiterung der Denkmalanlage um zwei abgesetzte Seitenflügel mit je einem Relief vorsahen, kam nicht zum Tragen.
Bei der Filialkirche in Enzersdorf gab es ab 1955 eine eigene Gedenkstätte für die Gefallenen der Gemeinde Witzmannsberg. Seither begeht hier der Soldaten- und Kriegerverein Enzersdorf eine eigene Gedenkfeier am Volkstrauertag.

In Vorbereitung seines 150-jährigen Bestehens erfolgte 2007 durch den Tittlinger Soldaten- und Kriegerverein eine Generalüberholung des Kriegerdenkmals. Neu geschaffen wurden Gedenktafeln für die Gefallenen der Kriege 1870/71, 1914/18 und 1939/45.

Die zeitlose Inschrift auf der Straßenseite „Den Gefallenen zum Gedächtnis – Den Lebenden zur Mahnung“ wurde beibehalten.

Im Zuge der 2011 abgeschlossenen Sanierung des Marktplatzes wurde das Kriegerdenkmal etwas nach Süden versetzt und das Umfeld ansprechender gestaltet.

Herbert Zauhar, 2018