Eine Hausgeschichte in Kurzfassung

Aus den Angaben im Urkataster und den dazugehörenden Fortschreibungen lässt sich die Geschichte eines Anwesens nachverfolgen. Eigentlich ist es die Geschichte des Grundstücks, da die Gebäude im Laufe der Zeit umgebaut oder sogar abgerissen und völlig neu erbaut worden sind. Das trifft auch auf den Gasthof zur Post zu, in der Vergangenheit und Zukunft und dessen Geschichte im kurzen Überblick und mit Fotos dargestellt werden soll.

Erbaut wurde das Gasthofgebäude auf einem Rest des im Jahr 1803 völlig abgebrannten Schlosses. Der Uhrmachermeister Max Mader (+) und Willi Neumeier aus Muth haben versucht, den Stich von Max Wening von 1723 planmäßig zu erfassen. Max Mader hat nach dem von ihm gezeichneten Grundriss ein Modell angefertigt und es der Gemeinde als Geschenk überlassen.

Im Jahr 1848 erwarb der in Blindham geborene Bierbrauer Franz Mayer Teile des damaligen Schlossgutes. Franz Xaver Mayer war vorher Pächter des Schlossbrauhauses Englburg und besaß von 1836 bis Mit­te 1847 den Schlossgutsbesitz Fürstenstein einschließlich des dortigen Brauhauses.

Am früheren Standort des Tittlinger Schlosses errichtete Franz Mayer 1854 ein Wohnhaus, das später in einen Gasthof umgewandelt worden ist. In den Anfangsjahren war der Gastbetrieb im Grafenschlössl. Später wurde der Braubetrieb in das Grafenschlössl verlegt.

1853 wurde hier die Poststelle eingerichtet. Mayer war nun Brauer, Gastwirt und Posthalter.

Ihm folgte sein 1843 in Englburg geborener Sohn Anton Mayer. Dieser starb 1911. Seine Witwe führte den Betrieb weiter. Im Jahr 1920 übernahm ihr Sohn Franz, der in diesem Jahre Therese Habereder geheiratet hatte, den Gasthof.

Im Jahr 1889 wird im Grundsteuerkataster von der „Vergrößerung des Postlokals“ berichtet. Die Gebäudebeschreibung im Jahr 1901 lautet: Wohn- und Gasthaus, Stallung mit Heustadel, Stall und Fremdenzimmer, Bräuhaus, Hofraum, Garten mit Einfahrt und Eiskeller.

Im Jahr 1908 löst die Motorpost die Postkutsche auf der Linie Passau – Tittling – Schönberg ab. Die Stallungen für die Postpferde werden nicht mehr gebraucht. Anton und Maria Mayer passen sich mit dem Bau einer Motorwagenhalle den neuen Verhältnissen an.

Drei Jahre später verstarb der kgl. Posthalter und Brauerei- und Gasthausbesitzer Anton Mayer an den Folgen eines Unfalls im Alter von 67 Jahren. Zwei Söhne waren ihm schon im Tod vorausgegan­gen. Diese Schicksalsschläge und der heraufziehende 1. Weltkrieg führten letztlich zur Aufgabe der Brauerei.

Der Gast­hofbetrieb wurde von der Witwe Maria Mayer und vor allem vom Sohn und Nachfolger Franz Mayer weitergeführt.

Der nicht mehr benötigte Eiskeller mit Fassremise in der Herrenstraße ging 1920 an die Metzgerfamilie Johann und Franzis­ka Haushofer, geb. Mayer über. Im gleichen Jahr heiratete der nunmehrige Besitzer des Gasthofs zur Post Franz Mayer die Nachbars­tochter Therese Habereder.

Ab 1853 waren die Mayers „kgl. Posthalter“. Zu deren Aufgabe gehörte bis 1908 das Vorhalten von Pferden für Post­kutschen. Im Erdgeschoss rechts waren die Räumlichkeiten für das Postamt, die immer wieder vergrößert worden sind.

1889 wurde der Gasthof um ein Stockwerk erhöht. Die späteren Erweiterungen: 1901 wurde ein zusätzlicher Raum für das Post­amt geschaffen und 1914 erfolgte eine Gebäudevergrößerung Richtung Kirche. Bei der Ge­bäudevergrößerung 1914 wurden zwei Eingänge errichtet, links für das Gasthaus, die Fremdenzimmer und Wohnräume sowie rechts für das Postamt. 

Nach dem Umzug des Postamts 1956 in den Neubau in der Passauer Straße wurden die bisherigen Amtsräume der Post zum großen Nebenzimmer des Gasthofs umgebaut. Die Fassade wirkte nun sehr nüchtern. Seit 1938 führte die damalige B 85 unmittelbar am Gebäude vorbei.

In den 1970er-Jahren war der Bedarf an Gästezimmern für Vertreter und Busreisen groß. Die Familie Karl und Berta Breinbauer, die den Gasthof 1959 erworben hatte, baute deshalb das bestehende Dachgeschoss in ein Vollgeschoss um. Obwohl die Firsthöhe gleich blieb, wirkt das Haus nun viel höher.

Im Jahr 2017 kaufte der Markt Tittling den Gasthof zur Post, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grafenschlössl, dem Rathaus für die VG Tittling liegt. Der Gastbetrieb endete mit dem Weggang des letzten Pächters Egon Wilhelm.

Herbert Zauhar, 06.2920