Bei der großen Brandkatastrophe im Jahr 1803

wurden im Ortskern von Tittling bis auf 10 Anwesen alle Häuser zerstört.

Das Feuer breitete sich schnell aus, waren doch die meisten Häuser aus Holz gebaut und mit Holzschindeln gedeckt. In der Folge setzte sich immer mehr eine Bauweise mit feuerbeständigen Materialien durch. Schon im Mittelalter kannte man die Herstellung von Ziegeln aus Lehm und Ton. Und diese Ausgangsstoffe gab es in der Gemeinde Tittling an einigen Stellen.

Darauf weist der Straßennamen „Am Tonfeld“ hin. In diesem Bereich gab es ein Grundstück mit dem Namen „Tonfeld“ und den Flurnamen „Tonäcker“ für Grundstücke nördlich von Preming.

Im „Schüsselholz“ bei Loizersdorf fanden schon seit jeher die Hafner den Ausgangsstoff für Schüs­seln, Krüge und Teller. Hier hatte auch die Ortschaft Göttersberg nahe bei Muth eine eigene Lehm­grube, in der Nähe von St. Kolomann gab es eine der Ortsgemeinde Pretz.

Einen noch direkteren Hinweis auf die Herstellung von Ziegeln und die Bodenbeschaffenheit geben verschiedene Grundstücksbezeichnungen. So gab es in der Ortsflur von Englburg, nahe von Tau­benweid, ein Ziegelfeld und eine Ziegelfeldwiese.

Das Grundstück, auf dem heute das Heim St. Marien in der Dreiburgenstraße steht und das nördli­che Nachbargrundstück hatten die Bezeichnung Ziegelacker. Sie gehörten wie das Englburger Zie­gelfeld bis 1826 zum adeligen Herrschaftsbesitz Englburg und danach Tittlinger Bürgern.

Die Dreiburgenstraße wurde früher im Volksmund auch „Ziegelgasse“ genannt.

Die Verarbeitung von Ton und Lehm zu Ziegeln fand früher vielerorts statt.

So sind Ziegelstadel in den Gemeinden Tittling und Witzmannsberg dokumentiert.

Eisensteg, heute Eisensteg 35, im Jahr 1892 Stögbauer Johann und Maria, Ziegelher­stellung

Englburg, 700 m westlich von Gneisting, (alte Fl.Nr. 5571 ½) Steinwiese mit Ziegelstadel

Gneisting, 270 m südwestlich des Dorfes

Hörmannsdorf, 240 m nordöstlich des Dorfes an der alten Straße nach Schönberg (über Hohen­wart), (Fl.Nr. 785) der Zieglstadelzipf

Hötzendorf, im Jahr 1886: Stadler Michael, Maurermeister, Totalneubau des Ziegeltrockenstadels auf Fl.Nr. 4707 ½; Fl.Nr. 4707 ½ der Ziegelstadelplatz; später Anwesen Hötzendorf 28;

Lanzendorf, 150 m nördlich der Ortschaft

Loizersdorf, heute Loizersdorf 15, im Jahr 1869 Bau eines Ziegelstadels und Brennofens auf Fl.Nr. 1858 ½ und 1858 1/3;

Loizersdorf, heute Loizersdorf 46, Vermerk bei einer Baumaßnahme 1903: Ziegelstadel wurde vor längerer Zeit abgebrochen; Der Hausname lautete im Urkataster 1843 „beim Ziegelstadelpeter“.

Loizersdorf, heute Loizersdorf 34 (Fl.Nr. 1860) Schüsselholz mit Ziegelstadel

Wegen der reichen Lehmvorkommen in Loizersdorf gab es bei der Planung der Bahnlinie Deggen­dorf – Kalteneck Befürworter für eine Trassenführung im Bereich Loizersdorf.

Roitham, 300 m nordöstlich des Dorfes beim Weg nach Niederham

Tittling, heute Englburger Straße 48; 1843 im Besitz des Lebzelters Silchinger (Marktplatz 11); (Fl.Nr. 181) Ziegelstadel oder Hofwies­fleckerl mit Wiesfleck

Witzmannsberg: Hof, 290 m südöstlich des Dorfs - Spitzendorf, 300 m südwestlich des Dorfs -

Waltendorf, 350 m nördlich des Dorfs (?)

Die Ziegeleien Toso und Bachl

Ab Beginn des 19. Jahrhunderts kamen von Passau her italienische Ziegelschlager in den südlichen Bayerischen Wald und stellten aus gut durchmischten Lehmen und Tonen und mit starkem Rennfeu­er qualitativ hochwertige Vollziegel her, so die Familie Santo Toso aus der Provinz Friaul (San Da­niele)“, schreibt Fritz Pfaffl in seinem Buch über die Ziegeleien im Bayerischen Wald.

Die Familie Santo Toso stellte ab 1903 saisonal in Linden/Freyung Ziegel her. 1929/30 wurde das Ziegelwerk in Trasfelden/Witzmannsberg begründet und als Familienbetrieb geführt. Genutzt wurde Ton und Lehm aus dem nahen Schüsselholz.

1962/63 baute Karl Bachl aus Deching eine vollautomatische Ziegelei in Hörmannsdorf. Er bezog seinen Lehm aus dem Schüsselholz östlich der Ortschaft Loizersdorf (Knorrgrube) und südlich der Ortschaft aus der Plettlgrube. Heute ist die ausgebeutete Lehmgrube östlich von Loizersdorf FFH Schutzgebiet.

Herbert Zauhar, 07.2020