Der erste namentlich genannte Schmied auf diesem Anwesen

war Johann Christoph Sedlmayr (1769 - 1833). Er wurde in Haselbach, Pfarrei Perlesreut geboren. Er heiratete 1795 in Tittling die Bauerstochter Waldburga Schei­dengraber aus Oblfing/Schöllnach.

Johann ChristophsVater Joseph, ebenfalls ein Schmied, starb 1796 in der Schneidermühle.

Dieser Joseph Sedlmayr ist mit großer Wahrscheinlichkeit der eigentliche Begründer der Hammer­schmiede in Schneidermühle. Er stammte aus Hochdorf/Bischofsmais und hatte vorher eine Schmiede in Haselbach bei Haus im Wald. Die Übergabe der Schmiede in Schneidermühle an sei­nen Sohn erfolgte bei dessen Heirat 1795.

Die Familie Sedlmayr (es gibt auch ähnliche Schreibweisen) stammt aus Hochdorf/Bischofsmais und ist dort be­reits 1650 nachgewiesen. Der Beruf des Schmieds, auch Zeugschmied und Ge­schmeidschmied wurde in mehreren Generationen ausgeübt. Zeug- und Geschmeidschmiede stell­ten Werkzeuge für die Landwirtschaft, das Handwerk und die Steinbearbeitung her. Einmal wird der Beruf „Neigerschmied“ angegeben. Ein Neigerschmied stellte Boh­rer her.

Vor 1769 gehörte dieses Anwesen in der Gemeinde Witzmannsberg zur Schneidermühle direkt an der Ilz. In einem Taufeintrag aus dem Jahr 1769 wird der Müller Georg Oberhüttinger als Besitzer der oberen und unteren Schnei­dermühle angegeben.

Die Gründung der Schmiede Sedlmayr in Schneidermühle muss zwischen 1779 und 1795 erfolgt sein. Einträge in Pfarrmatrikeln sprechen für diese Eingrenzung.

Interessant ist auch ein Hinweis im Historischen Atlas von Bayern. In einer Aufzählung von 1825 wird das Schmied-Anwesen mit realer Geschmeidemachgerechtsame als „Schmidmühle“ bezeich­net. In einem Plan aus dieser Zeit heißt es „Schneidermühle beim G’schmeidmacher“.

Im Jahr 1832 übernahm Johann Christophs Sohn, der Zeughammerschmied Anton Sedlmayr I (1800 – 1867) den Betrieb. Er war mit der Wirtstochter Anna Maria Unfried aus Gatzerreut verhei­ratet.

Im Urkataster von 1841 wird ein kleiner Anbau an der Südseite der alten Tittlinger Kirche St. Veit als „Kramladen an der Kirche“ benannt, der dem Anton Sedlmayr gehörte und in dem Erzeugnisse aus seiner Schmiede an Sonnta­gen und Markttagen verkauft worden sind. Nach dem Abriss der Kir­che 1894 mussten sich seine Nachkommen nach einer neuen Möglichkeit umsehen.

Ihm folgte 1875 sein Sohn, der Zeugschmied Anton Sedlmayr II (1838 - 1913), der in diesem Jahr dieHuf­schmiedtochter Kreszenz Neumeier (1852 - 1920) aus Kirchberg im Wald heiratete.

Lt. Donauzeitung gründete er 1864 in Tittling ein Eisen- und Geschmeidwarenhandlungsgeschäft.

Im Jahr 1904 erfolgte die Übergabe an den Sohn Anton Sedlmayr III (1878 – 1928), der ein Jahr später die Wirts­tochter Maria Schwarz aus Grainet heiratete.

Im Übergabevertragwurden u. a. die Verpflichtungen gegenüber den Eltern und den Geschwistern Nikolaus, Jo­seph, Magdalena und Kreszenz geregelt.

Vor der Übergabe des Hammerwerks Schneidermühle an Anton Sedlmayr III bekam sein Bruder Ni­kolaus Sedl­mayr (1876 – 1929) als Elterngut im Jahr 1903 Mittel für die Neugründung einer Ei­senwarenhandlung am Tittlin­ger Marktplatz 1 (heute vermietet an Optik Hahn).

(Eine kleine Abschweifung: Lange bevor Nikolaus Sedlmayr seine spätere Frau Anna, geb. Keller­mann kennen­lernte, stand lt. Max Peinkofer (um die Jahrhundertwende) eine Heirat mit der Schrift­stellerin Emerenz Meier im Raum. Aber letztlich wurde nichts aus den Heiratsplänen.)

Im Jahr 1929 wurde die Eisenwarenhandlung in Tittling an die Familie Settele verkauft, die den Fir­mennamen „Nikolaus Sedlmayr“ mit dem Zusatz „Inhaber Ludwig Settele“ (Beispiel Werbung 1953) weiterführte.

Joseph Sedlmayr (1881 - 1947), ein weiterer Bruder von Anton und Nikolaus, eröffnete 1919 eine Eisenhandlung in Freyung. Der Werkmarkt Josef Sedlmayr konnte 2019 sein 100jähriges Bestehen feiern.

Zurück zur Schneidermühle:

Mit dem Tod von Anton Sedlmayr III am 11. Januar 1928 ging nach über 130 Jahren die Familien­tradition „Sedl­mayr“ in Schneidermühle dem Ende entgegen.

Seine Witwe Maria Sedlmayr, geb. Schwarz schloss Ende Dezember 1931 einen Tauschvertrag mit Franz (Xa­ver) Alteneder I (1887 - 1973) und dessen Frau Franziska, geb. Weigersdorfer aus Röhrnbach ab.

Franz Alteneder war ein Hammerschmiedsohn aus Waldkirchen. Er übernahm mit seiner Frau das Brauereigebäu­de und die Gastwirtschaft der Ilg’schen Brauerei in Röhrnbach, die vormals von de­ren Bruder erworben worden war. Zugleich arbeitete Franz Alteneder in der Hammerschmiede Sedl­mayr in Schneidermühle. Beide Parteien vereinbarten den Tausch der Immobilien und der Weiterbe­trieb der Hammerschmiede war gesichert.

Beinahe wäre es aber anders gekommen, wie ein Nachsatz in einem entsprechenden Bericht im Titt­linger Waldbo­ten vom 6. Januar 1932 zeigt. „Der Kaufvertrag mit Toso wurde wieder rückgängig gemacht.“ Tatsächlich hatte die Familie Santo Toso vor, ihren Ziegeleibetrieb von Linden/Freyung hierher zu verlegen und lebte einige Mona­te auf der Schneidermühle. Der Betrieb einer Ziegelei an dieser Stelle wäre allerdings nicht optimal gewesen und die Familie Toso plante auch keinen Berufswech­sel. Letztlich siedelte sich die Familie Toso 1929/30 in Trasfelden an und gründete dort ein Ziegel­werk.

Ab 1932 war nun Franz Alteneder als neuer Eigentümer voll verantwortlich für den Betrieb der Hammerschmiede. Für die dazugehörende Gast- und Landwirtschaft wird sich wohl hauptsächlich sein Frau gekümmert haben.

Als Nachfolger folgte ihm 1968 sein Sohn Franz Alteneder II (1919 - 1999), der mit Anna, geb. Eder (1925 – 2007) verheiratet war.

Ab 1990 wird die Hammerschmiede in der nächsten Generation von Franz Alteneder III geführt.

Er hat den geänderten Verhältnissen Rechnung getragen und beschreibt heute sein Tätigkeitsfeld als „Kunst­schmiede, Metallgestaltung, Edelstahlverarbeitung und Restaurierungen“.

Sein Bruder Josef Alteneder, der auch Geschäftsführer des Unternehmens ist und dessen Frau Mar­tina sind für den Gastbetrieb verantwortlich.

Beide Unternehmen präsentieren sich zeitgemäß mit eigenen Homepages.

Herbert Zauhar 05.2021