Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle über die Hausgeschichte des Gasthofs zur Post berichtet.

 

Nun sind Fotos aufgetaucht*, die die Situation des Hauses in der Nachkriegszeit betreffen und die Geschichte des Gasthofs in dieser Zeit ergänzen.

Über den Einmarsch der amerikanischen Truppen am 29. April 1945 liegt der Bericht einer Postbe­amtin vor, die wie ihr Vater im Gasthof zur Post wohnte und im darin untergebrachten Postamt ge­arbeitet hatte. Sie berichtet, dass die US-Soldaten nach dem Einmarsch am 29. April 1945 in Sieger­manier das Wohnzimmermobiliar der Familie aus dem Fenster im zweiten Stock geworfen haben. Weiters erwähnt sie, dass der Gasthof zur Post am 30. April 1945 zur Kaserne erklärt wurde und die Bewohner das Haus verlassen mussten. Soldaten nahmen das große Gasthausund viele weitere Ge­bäude in Besitz. In der Gasthausküche wurde für die Soldaten gekocht.

(Anmerkung: Im Heft 6 der Reihe „Archiv für das Dreiburgenland, Die Amerikaner kommen, Früh­jahr 1945“ haben Michael Fischl und Herbert Dorfmeister viel Wissenswertes über die damals schlimmen Ereignisse zu Papier gebracht. Ein Nachlesen lohnt sich.)

Die Militärpräsenz der Amerikaner war in den ersten Wochen und Monaten im zentral gelegenen Tittling groß. Ein Feldlazarett, ein Versorgungspunkt für die eigenen Truppen und das große Gefan­genenlager (bis Sept. 1945) und Einrichtungen zur Überwachung der Region um Tittling wurden er­richtet.

Im Knabenschulhaus hatte der Ortskommandant sein Büro und erteilte der Bevölkerung Anordnun­gen, die strikt zu befolgen waren.

Nach einigen Monaten wurden große Teile der Streitkräfte zurück in die Staaten verlegt. Auch von Tittling (und dem Gasthof zur Post) wurden die US-Soldaten abgezogen.

Im Jahr 1946 kam erneut eine US-Militäreinheit nach Tittling. Ab Mitte August 1946 wurde der ge­samte Gasthof zur Post – ausgenommen ein Raum für die Reichspost – von den Amerikanern be­schlagnahmt. Hier wurde die Mannschaft untergebracht und verköstigt. Für den Offizier wurde ein Stockwerk im Wohnhaus Schlattl (Sägewerk) in Siebenhasen beschlagnahmt, der große Nebenraum im Tittlinger Hof wurde das Clublokal der US-Soldaten.

Der Gasthof zur Post wurde zu einer „Patrol Station“ (Patrouillenstation) für eine Einheit der „51. Squadron Constabulary“. Diese US-Squadrons übernahmen Polizeiaufgaben der Besatzungsmacht. Sie wurden später von deutschen Polizeieinheiten abgelöst.

Die Beschlagnahme der Gebäude und Rückübereignung am 1. März 1947 wurden schriftlich festge­halten.

In den Folgejahren wurden keine Militäreinheiten mehr im Gasthof zur Post einquartiert. Bei Pa­trouillenfahrten von Passau aus hielt manche US-Einheit hier kurz Einkehr.

Bei diesen Fahrten kam es immer wieder zu Straßen- und Flurschäden. So berichtete die PNP von Schäden an der Straße nach Masering (1953), einem zwischen Hörmannsdorf und Stüt­zersdorf in einer Sumpfstelle eingesunkenen Panzer (1953), Schäden auf einer Länge von 100 m durch Panzer auf der frisch gepflasterten Straße nach Fürstenstein (1954) und Flurschäden durch Panzer in Farnham (1954).

* Die Fotos und einige weitere Unterlagen hat Anton Mayer dem Gemeindearchiv zur Verfügung gestellt. Auch bei anderen Bürgerinnen und Bürgern durfte ich schon Einsicht in deren Fotoalben und alte Unterlagen nehmen. Dafür bedanke ich mich herzlich! Es würde mich freuen, wenn mir dies weitere Bürgerinnen und Bürger gestatten würden. Sorgsamer Umgang und Rückgabe werden zugesichert! HZ

Herbert Zauhar 04.2021