Eine Spurensuche von Herbert Zauhar


Vorbemerkung

In dieser Schrift sollen Informationen über die Tittlinger Steinindustrie zusammengefasst und durch zahlrei­che neue Forschungsergebnisse ergänzt werden.

Für jeden Hinweis dazu, ob Ergänzung oder Richtigstellung, wäre ich sehr dankbar.

Die Ende des 14. Jahrhundert erbauten Burgen, das frühere Kirchlein St. Veit am Marktplatz, Pflas­tersteine, Grabsteine und Jahreszahlen in granitenen Türstür­zen zeigen, dass es schon vor dem Bau der heutigen Pfarr­kirche St. Vitus (1889 - 1892) in unserem Raum Abbau von Granit ge­geben hat.

Der große Marktbrand von 1803, bei dem im Ortskern nur 10 Häuser diese Brandkatastrophe über­standen, hat ein Umdenken bewirkt. Beim Wiederaufbau ersetzten meist Steine und Ziegel den Bau­stoff Holz.

Von 1828 bis 1860 hatte in Schneidermühl an der Ilz der Steinmetz Mathias Weigl sein Wohnhaus mit ange­bauter Steinschneidemaschine. Eine solche brauchen Steinschleifer für ihre Arbeit.

Im 1846 erschienenen Buch „Der bayrische Wald“ von Bernhard Grueber und Adalbert Müller schreiben die Verfasser von einem schönen grünlichen Granit in unserer Gegend, der vielfach bear­beitet wird.

Der vom Steinmetz Fenzl angefertigte frühere Brunnen am Marktplatz wurde 1860 errichtet.
Aufträge für Steinlieferungen zum Straßenausbau im Jahr 1882 erhielten lt. Michael Fischl die Titt­linger Jo­hann Nepomuk Käser und Michael Stadler sowie Josef Rein aus Siebenhasen und Michael Stetter/Stötter aus Hof. Auch der damals noch in Hutthurm lebende Gastwirt Johann Habereder kam zum Zug.

 

Durch den Bau der heutigen Pfarrkirche St. Vitus (1889 - 1892) erlebte der Granitabbau in unserer Gemeinde einen Aufschwung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steinbrüche in den einzelnen Ortsfluren

 

Eisensteg – Hötzendorf

 

Der kleine Steinbruch „Steinmühlerfeld“

Der Steinmetzmeister Josef Bauer besaß in Hötzendorf 10 ein Wohnhaus mit Steinmetzgeschäft. Hauptsäch­lich wurden Grabsteine hergestellt.

Im Jahr 1954 erwarb Bauer für seinen Geschäftsbetrieb ein 2.300 m² großes Grundstück links des Rabers­bachs, 280 m nordöst­lich von Eisensteg. Die Grundstücksbezeichnung lautete „Steinmühler­feld, Steinbruch“. In der Nähe befindet sich heute ein Fischweiher.

Josef Bauer starb aber schon Anfang 1960 im Alter von erst 47 Jahren.

 

Im Jahr 1905 hatte die Familie Bauer den Besitz von der Familie Streifinger (Eisensteg 8) erwor­ben.

Es ist anzunehmen, dass Angehörige der Familien Streifinger und Bauer schon früher Steine aus diesem Bruch für eigene Zwecke genutzt haben.

 

Kleinere Steinbrüche in der Ortsflur Eisensteg

gab es im Talbereich des Rabersbachs und nördlich des Anwesens Eisensteg 16 (Fl.Nr. 5207 – 5216; damals Möginger).

 

Englburg

 

Katzlinger-Bruch

Der Bruch lag im Bereich des heutigen Anwesens Englburg 26. Es handelt sich hier um den ältesten dokumentierten Steinbruch in der Gemeinde Tittling. Er ist älter als der Klingerbruch in Fürsten­stein. Er gehörte ursprünglich zum Schlossbesitz. Im Urkataster werden 1841 die beiden Grundstü­cke Fl.Nr. 5552 und 5553, als „der große und der kleine Steinbruch“ bezeichnet. Dieser Steinbruch gehörte schon 1833 dem Maurer und Steinhauer Johann Regner vom „Maurerhäusl“ Englburg 36. Auch die Vorbesitzer waren Maurer, u.a. der hier 1720 lebende Michael Pavia. Diese Grundstü­cke wurden 1914 von Michael Katzlinger erworben. 1924 wurde auf einer Teilfläche von Fl.Nr. 5552 ein Wohnhaus erbaut. Der Betrieb ist seit längerer Zeit eingestellt.

 

Harantbruch

Der Bruch lag neben der früheren Ladybar, Englburg 14, nahe der Bahnhaltestelle Englburg. In geo­logischen Schriften wird er auch als „Taubenweider Steinbruch“ bezeichnet.

Mit dem Abbau wurde um 1900 begonnen. Dieser Bruch gehörte 1904 Karl Putz, Englburg 146 1/3.

Putz inserierte 1904 in der Donauzeitung: „Einen neu erschlossenen Steinbruch, herrlicher blauer Granit, zu Steinarbeit als auch zu Würfelarbeit passend, in welchem sofort 8 bis 10 Steinhauer ge­nügend Arbeit finden können, hat zu verkaufen; Karl Putz, Gütler in Englburg“

1906 ersteigerten Jette und Jakob Strauß den Besitz des Karl Putz. 1906 kam der Steinbruch in den Besitz der Familie Harant, die 1903 ihren Hausbesitz in Englburg 54 ebenfalls von den Eheleuten Strauß erworben hatte.

Im Laufe der Zeit wechselten die Pächter des Bruchs. Er wurde 1950 aufgelassen und ist zwischen­zeitlich zugewachsen.

 

Gneisting

 

Streifingerbruch – die Granitwerke Anton Streifinger, Tittling

Der Bruch lag 100 m östlich der Halbmeile auf Fl.Nr. 4673 und 4674 am Hötzenberg. Der Grund war von den Gneistinger Bauern Johann Schmalhofer und Karl Mader gepachtet. Der Bruch wurde anfangs, vermutlich ab 1896, von der Fa. Kerber aus Büchlberg betrieben. Die Übernahme durch den Schmiedemeister Anton Streifinger (1893 - 1937) erfolgte Anfang der 1920er Jahre.

 

Die Beschäftigtenzahl schwankte Anfang der 1930er Jahre zwischen zwei bis 20 Mann, je nach Auftragslage. Der Bruch war um diese Zeit ca. 6 Monate pro Jahr in Betrieb. Es wurden Pflaster­steine hergestellt. An Ge­bäuden gab es nur Hauhütten. Wie allgemein üblich, richtete sich die Pacht­höhe nach der Materialentnahme.

 

1935 lautete die Betriebsbezeichnung "Granitbruch - Pflastersteinschlägerei – Steinhauerei".

Die Wirtschaftlichkeit des Steinbruchs bei Gneisting war wegen nachlassender Steinqualität nicht mehr aus­reichend. Der Tittlinger Waldbote berichtete am 31.07.1935: „Der Steinbruch Gneisting des Herrn Anton Streifinger wurde in den letzten Tagen stillgelegt.“

 

Nach der Stilllegung des Bruchs in Gneisting begann Streifin­ger die Suche nach einem anderen, ge­eigneten Steinbruch.

 

Im Juni 1935 verlegte er seinen Betrieb von Gneisting in den Steinbruch Paradies bei Nammering/Fürsten­stein. Die zuletzt 26 Beschäftigten arbeiteten nun in diesem Steinbruch. Strei­finger war vom „sehr schönen Stein“ angetan. Für 60 Mann wür­de es hier jahrzehntelang Arbeit ge­ben. Der Steinbruch Para­dies war bis 1925 von der Bayerischen Granitwerke AG betrie­ben worden.

Allerdings war ihm der Einsatz von neuen Maschinen ver­wehrt.

 

Es gab zu dieser Zeit genug Betriebe, die Steinmaterial für den Wege-, Bahn- und Wasserbau her­stellten. Eine Überproduktion sollte verhindert wer­den.

 

Deshalb erreichte Streifinger im neuen Bruch nicht die Produktionsmenge wie am alten Standort.

Er nahm aus diesem Grund Mitte 1936 zusätzlich im stillgelegten Moosholz-Bruch den Betrieb auf.

Im März 1937 erhielt Streifinger offiziell die Genehmigung zum Betrieb beider Steinbrüche. Die Gesamtpro­duktion wurde auf 5.000 to/Jahr gedeckelt. (zum Vergleich: in den Steinbrüchen Mer­ckenschlager und Rieger & Seil wurde zu dieser Zeit jeweils die doppelte Menge produziert.)

In den Brüchen Paradies und Moosholz arbeiteten insgesamt 45 bis 60 Mann an der Herstellung von Pflaster­steinen. Der Betrieb eines Kompressors wurde schließlich gestattet.

 

Im Sommer 1937 wurde zusätzlich der Steinbruch von Luitpold und Katharina, Oberpolling im „Teufelsge­birge“ bis zum November 1937 betrieben und danach stillgelegt.

Schon 1936 hatte Streifinger erfolglos eine kurze Zeit versucht, mit dem „Lehenbruch“ nahe bei Nammering einen weiteren Steinbruch zu reaktivieren.

 

Im Dezember 1937 verstarb Anton Streifinger im Alter von 44 Jahren. Der Betrieb wurde de facto von seiner noch jungen Tochter Therese weitergeführt.

 

In der Folgezeit wurde noch ein weiterer Steinbruch am südlichen Ortseingang von Einzenberg/Fürstenstein gepachtet. 20 Arbeiter wurden hier beschäftigt. In den Jahren 1943/44 wur­den von der Firma Granitwerke Streifinger Werksteine für das Drau­kraftwerk Marburg/Maribor im heutigen Slowenien geliefert.

In einem gemeindlichen Verteiler werden Ende 1949, kurz vor ihrer Auflösung, die „Granitwerke M. Streifinger“ noch aufgeführt.

 

Gneisting

 

Schmalhoferbruch

Der Steinbruch in Gneisting lag nordwestlich des Stalls der Familie Schmalhofer. Er wurde von Jo­hann Schmalhofer betrieben und war von 1950 bis 1972 in Betrieb. Wie bei jedem größeren Stein­bruch gab es ein gesichertes Sprengstoffdepot. Die Abbaugrube wurde zuge­schüttet.

 

Hohenwart - Hörmannsdorf

 

Steinbruch am Schlosshügel/Schlossberg – Jahreiß-Bruch

Der Bruch befindet sich im „Schachert“, einem kleinen Waldstück nördlich des Dorfes Hörmanns­dorf. Er liegt in der Flur Hörmannsdorf, durch spätere Erweiterungen auch in der Ortsflur Hohen­wart.

 

Der Grund gehörte dem Bauern Anton Gsödl aus Hörmannsdorf 5, der auch selbst Granit abgebaut hat. Der Steinbruch auf Fl.Nr. 1034 wurde 1889 von der Pfarrkirchenstiftung wegen des Baus der neuen Pfarrkirche St. Vitus (1889 - 1892) gepachtet, wie im Buch „100 Jahre Pfarrkirche St. Vitus“ berichtet wird. Über 90 Prozent der Granitsteine zum Bau der Pfarrkirche stammen aus diesem Steinbruch. Auch von Georg Kraus aus Hohenwart wurde eine kleinere Menge gelie­fert, ebenso von Kölbl in Hörmannsdorf. Die Hohenwarter Bauern Mathi­as Bauer und Johann Möginger beschwer­ten sich, weil beim Steinabbau für die Kirche im Schloss­berg-Bruch die Grenzen zu ihren Grund­stücken überschrit­ten worden sind.

 

Der Bruch wurde ab 1922 von der Firma Jahreiß und Sohn aus Hof an der Saale betrieben. Die lau­fenden Er­weiterungen bezogen nun Grundstücke in den Ortsfluren Hohenwart und Hörmannsdorf mit ein. Nach dem 2. Weltkrieg wurde ein zweiter Steinbruch am Schlossberg, der „Hausinger Bruch im Schachert“, in den Jahreiß-Bruch in­tegriert. 1956 errichtete die Firma einen Hebekran am Tittlinger Bahnhof. Der Steinabbau wurde am 01.01.1982 beendet. Betriebsleiter von 1949 bis 1974 war Hans Hein­rich, der auch viele Jahre Spieler und Vorstand des FC Tittling war.

 

Bei der Steingewinnung wurden 1943 Mauerreste der wohl Anfang des 15. Jahrhunderts zerstörten Burg Ho­henwart am Schlossberg freigelegt. Beim Kirchenbau wurden schon behauene Steine dieser Burg wiederver­wendet, ebenso bei Anwesen in Hohenwart.

 

In den 1930er Jahren verlegte die Firma Jahreiß und Sohn ihren Zweigbe­trieb Rinchnach nach Eberhards­reuth. Die Firma hatte einen weiteren Zweigbetrieb in Fürsteneck und mehrere Brüche im Fichtelgebirge.

 

Beschäftigte im Steinbruch Jahreiß und Sohn, Werk Tittling: 1954 – 80; 1974 – 22

 

Hohenwart

 

Der „Hausinger-Bruch im Schachert“ bzw. „Regner-Bruch am Schlossberg“

Neben dem Hausinger-Bruch in Hötzendorf hatte der Gastwirt Josef Hausinger einen zweiten im Schachert, nordöstlich von Hörmannsdorf. Er lag in der Ortsflur Hohenwart, in der Nähe des höchs­ten Punkts am Schlossberg und wurde aus Richtung Windorf erschlossen. Die Anfänge dürften um etwa 1900 liegen. Im Jahr 1930, also in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, wurde der Betrieb einge­stellt.

Letzter Pächter war Georg Regner, Gütler und Steinhauer aus Witzingerreut. Dies erklärt die Be­zeichnung „Regner-Bruch“. Regner wurde im Januar 1930 von der Gemeinde Tittling aufgefordert, den Weg zum Stein­bruch vom „Hohenwarter Weg“ zu der Flur Windorf so zu unterhalten, dass er auch für Klauenvieh als Zug­tiere begehbar ist.

 

Trotz der Stilllegung im Jahr 1930 wurde immer wieder Abraum für den Grundbau verschiedener Straßen entnom­men. Dadurch wurde das schöne, feinkörnige Grundgestein wieder sichtbar, ideal für die Herstellung von Pflastersteinen.

 

Der Steinmetz (Franz) Xaver Kubitschek (geb. 1884 in Eisensteg, gest. 1959 in Tittling) wollte die­sen „Hausinger-Bruch im Schachert“ reaktivieren.

Kubitschek erwähnt in einem einzigen Schreiben, dass er schon von 1918 bis 1930 einen eigenen, kleinen Bruch gehabt habe, leider aber ohne Ortsangabe. Möglicherweise lag er links des Rabers­bachs und östlich des Museumsdorfs. Im Jahr 1930 war er Trauzeuge. Da wird sein Beruf als „Steinhauerpolier“ angegeben.

 

Im Februar 1937 begann er – ohne Genehmigung – mit den Vorarbeiten. Mit drei arbeitslosen Tag­löhnern räumte er den Bruch und entfernte alle Abdeckungen. Mitte Juni 1937 wurde ihm das aus­drücklich untersagt. Ende Juli 1937 wird der Fachgruppe Natursteine gemeldet, dass in diesem Bruch immer noch gearbeitet wird. Kubitscheks Ziel war es, hier 8 bis 10 Arbeiter zu beschäftigen.

 

Im nachfolgenden Genehmigungsverfahren (Erteilung einer Ausnahmegenehmigung) fand Kubit­schek nur durch die Gemeinde und den Kreisbaumeister Unterstützung. Die Fachgruppe Naturstei­ne, das Staatsministe­rium für Wirtschaft in München und der Reichs- und Preußische Wirtschafts­minister in Berlin sprachen sich strikt gegen eine Reaktivierung des Hausinger-Bruchs durch Kubit­schek aus.

Alle beriefen sich auf ein Gesetz von 1934/36, wonach die Errichtung von neuen Anlagen zur Ge­winnung von Steinmaterial für den Wege-, Bahn- und Wasserbau verboten sei. Man wollte dadurch eine Überprodukti­on und ein Abwerben der Arbeitskräfte verhindern.

Durch die mehr als 5-jährige Unterbrechung beim Hausinger-Bruch erfüllte dieser die Kriterien ei­ner Neuer­richtung.

 

Kubitscheks Sohn unterstützte seinen Vater und wandte sich hilfesuchend sogar an den „Stellvertre­ter des Führers“. Aber von dort kam keine Unterstützung.

 

Die erfolglosen Bemühungen des Xaver Kubitschek, eine Ausnahmebewilligung zu erhalten, ende­ten Mitte 1938. In dieser Zeit trat er eine Beschäftigung beim Reichsautobahnbau an.

Der „Hausinger-Bruch im Schachert“ ging später bei Erweiterungen im Jahreiß-Bruch auf.

 

Zuletzt war Xaver Kubitschek im Eisenste­ger-Bruch (Erlmeier und Berndl) als Betriebsleiter be­schäftigt.

 

Hötzendorf

 

Merckenschlager-Bruch, der frühere „Hausinger-Bruch“

Im Jahr 1889 stellte Katharina Grubmüller aus Hötzendorf ihre Grundstücke für den Abbau von Bruchstei­nen für den Sockel beim Bau der Pfarrkirche St. Vitus (1889 – 1892) zur Verfügung. Vor­her waren Verhand­lungen mit Martin Berndl aus Hötzendorf über Lieferungen aus dem gleichen Gebiet im Sande verlaufen. Auch Anton Leonhard aus Hötzendorf hatte aus diesem Bereich schon eine Klein­menge von Steinen für den Kirchbau geliefert.

 

Im Jahr 1891 erwarb Ferdinand Hausinger von Katharina Grubmüller deren Steinbruch in Hötzen­dorf. Er er­richtete 1895 eine Markenderhütte. Ein Jahr später ging der Steinbruch auf seinen Sohn Josef über, der zu dieser Zeit auch Besitzer und Betreiber des heuti­gen Gasthauses „Lindlbauer“ war.

Im Jahr 1914 suchten die „Josef Hausinger, Granitwer­ke“ in einem Inserat „Mastersteinritzer und Ausma­cher“. Josef Hausinger erbaute in den Folgejahren eine Schmiede mit Werkzeugkammer, Ar­beitshütten und ein Wohnhaus mit Markenderei.

 

In einem Aufsatz in den Heimatglocken vom September 1932 berichtet Pfarrer Franz Seraph Sigl, dass der Stein­bruch anfangs von der Fa. Bergmeier & Adler in Metten geführt worden sein soll. Lt. Auskunft des Ortsheimatpflegers von Metten ist dieser Firmenname aber dort nicht bekannt. Im Verzeichnis zu den Stein­brüchen in der Ge­meinde Metten von 1910 findet sich nur eine "Nieder­bayerische-Granit AG (Paul) Adler".

 

Nach dem 1. Weltkrieg (1914 - 18) kam der Steinbruch in den Besitz der verwitweten Therese Ker­ber aus Passau-Rittsteig. 1924 ging der Bruch auf ihre Tochter Anna über, die im gleichen Jahr den Hamburger Kaufmann Paul Mer­ckenschlager geheiratet hatte. Der Firmenname lautete nun „Pas­sauer Granitwerke Anna Mercken­schlager, geb. Kerber“.

Als Folge des verlorenen 1. Weltkriegs mussten die Granitwerke Merckenschlager als Reparations­leistung Pflastersteine nach Frankreich liefern.

Nach der Weltwirt­schaftskrise ging 1931/32 der Besitz des Steinbruchs auf den Ehe­mann Paul Mer­ckenschlager über.

 

Von ca. 1921 bis 1940 war Karl Adler (1883 - 1940) Betriebsleiter dieses Bruchs in Hötzendorf. Er stammte aus Nie­derkandelbach/Deggendorf, nicht weit von Metten entfernt und wird bei seiner Hei­rat mit Katharina Gsödl im Jahr 1921 in Tittling als Steinmetzpolier bezeichnet. Von 1929 bis 1933 war er Gemeinderat von Tittling.

Auch sein in Tittling verstorbener Vater Paul Adler (1877 – 1913) war Steinbruch-Werkführer in Tittling.

Mögli­cherweise ist die Aussage von Pfarrer Sigl in den Heimatglocken von 1932 dahingehend zu erklä­ren.

 

Früher erfolgte die Verladung der Steine aus diesem Bruch am Tittlinger Westbahnhof (heute Skate­ranlage). Bei Sprengungen im Bruch, die durch ein Signalhorn angekündigt wurden, musste früher der Verkehr auf der vorbeiführenden Staatsstraße anhalten.

 

Bis heute ist der Hötzendorfer Steinbruch, in dem man sich auf die maschinelle Veredelung von Steinen spe­zialisiert hat, im Besitz der Familie Merckenschlager. Max und Werner Merckenschlager übernah­men den Steinbruch von ihrem 2005 verstorbenen Vater Gerhart.

Im Laufe der Zeit wurde der Bruch immer wieder ver­größert. Der heutige Firmenname lautet „Höt­zendorfer Granitwerke Mercken­schlager GmbH & Co, KG“ und hat ab 2012 seinen Sitz in Tittling.

 

In ihrer Firmengeschichte hatte die Firma Merckenschlager zahlreiche weitere Steinbrüche in der Region.

Im Jahr 1956 waren dies neben Hötzendorf und dem benachbarten Bruch „Waldesruh“ Steinbrüche in Nam­mering/Fürstenstein, Rinchnach, Lenzingerberg/Hutthurm, Steinhof/Neukirchen v. W., Thys­senreuth/Hau­zenberg, Ren­holding/Aicha vorm Wald und Niederkümmering/Hauzenberg sowie in Hauzenberg zusätzlich 1922/1949 Schachet und 1938 Eckmühl und Bauzing. 1922 wird neben Höt­zendorf auch Englburg genannt (evtl. Pächter des Harantbruchs?).

 

Beschäftigte im Werk Tittling-Hötzendorf: 1954 – 136; 1974 – 66; 1994 – 19; 2021 – in Betrieb

 

Steinbruch „Waldesruh“

Die Anfänge dieses Bruchs auf Fl.Nr. 4805, der sich westlich an den großen Merckenschlager-Steinbruch an­schließt, dürften mit dem Gastwirtsehepaar Josef und Agnes Hausinger zusammen­hängen. Hausinger hatte 1915 dieses Grundstück erworben und bereits im Jahr 1896 das auf der an­deren Seite der Staatsstraße gelegene Grundstück Fl.Nr. 4806.

Im Jahr 1927 wurde an der Straße nach Fürstenstein ein kleines „Wohnhaus mit Kantine und Hof­raum“ er­richtet. Dieses ging später in den Besitz von Paul Merckenschlager über und wurde um die Jahrtausendwen­de abgerissen.

 

In einer Unfallmeldung im Tittlinger Waldboten wird 1930 Ludwig Söldner aus Loizersdorf (1881 – 1965, Vater des „China-Söldner“) als Mitpächter des Bruchs Waldesruh in der Ortsflur Höt­zendorf genannt. Die Namen anderer Mitpächter sind unbe­kannt.

 

Bei einer anderen Unfallmeldung im August 1936 werden bereits die Passauer Granitwerke Mer­ckenschlager als Eigentümer des Bruchs Waldesruh angegeben. Die Übernahme dieses Bruchs durch die Firma Mercken­schlager muss also zwischen 1930 und 1936 in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit erfolgt sein.

Laut einer Aufstellung der Gemeinde war der Bruch 1956 noch in Betrieb und im Besitz der Firma Passauer Granitwerke Paul Merckenschlager.

 

Beim Bruch Waldesruh gab es eine für den Straßenverkehr nicht ungefährliche Besonderheit. In Höhe des Bruchs erfolgte an einer unübersichtlichen Stelle eine Schienenquerung der Staatsstraße nach Fürstenstein. Wenn eine mit Steinen beladene Lore die Straße in Richtung Abraum querte, kam es immer wieder zu ge­fährlichen Situationen und gelegentlich zu kleinen Unfällen.

 

Dieser Bruch ist nicht zu verwechseln mit dem Steinbruch „Waldesruh“ bei Nammering/Fürsten­stein.

 

Eisensteger Bruch“ – Erlmeier-Berndl-Bruch

Der Bruch liegt westlich des Steinbruchs Waldesruh, an der Straße nach Fürstenstein in der Orts­flur Hötzendorf und an der Grenze zur Ortsflur Eisensteg.

Er entwickelte sich ab 1954 durch Josef Erlmeier (Waldkirchen) und Johann Berndl (Eisensteg/Hör­mannsdorf) aus einer schon vor­handenen kleinen Abbaustelle. Das Grundstück gehörte Berndls Ehefrau Therese, eine geborene Bauer aus Eisensteg. Der Betrieb startete mit drei Mann, einem Bagger und einem Lastwagen. An der Straße wurde ein kleines Gebäude für Werkzeuge und eine Schmiede errichtet, das noch heute dort steht. Der Betrieb vergrößerte sich im Laufe der Jahre.

 

Ein Problem war nach einiger Zeit das Wasser, das jede Nacht in die Abbaugrube floss und andern­tags vor Arbeitsbe­ginn abgepumpt werden musste. Eine Erschwernis war auch der Transport der Rohsteine über die vorbeiführende Straße zu einer ebenen Fläche. Dort wurden die Steine in Hauhütten bearbeitet.

 

Interessant ist ein Bericht in der PNP vom 18. Juni 1959 über den Tod von Xaver Kubitschek. Die­ser war Be­triebsleiter in diesem Steinbruch. Kubitschek bemühte sich 1937/38 ohne Erfolg um die Reaktivierung des stillgelegten Hausinger-Bruchs im Schachert.

 

Im „Berndl-Bruch“ wurde 1975 der Betrieb eingestellt. Johann Berndl verunglückte am 24. Mai 1978 beim Baumfällen tödlich. Es galt Holz für Hauhütten seines neuen Arbeitgebers zu beschaf­fen.

 

Beschäftigte im „Berndl-Bruch“: 1974 - 13

 

Masering

 

Rieger & Seil Steinbruch

Der Bruch lag östlich der Halbmeile in der Ortsflur Mase­ring und südlich des Merckenschlager Bruchs.

 

Der Steinbruch zählt zu den ältesten professionell betriebenen Steinbrüchen in der Gemeinde Titt­ling.

Im III. Quartal 1885 verkaufte der Bauer und damalige Bürgermeister Mathias Mader aus Masering das Grundstück Fl.Nr. 4434 an den Münchener Baumeister und Steinbruchbesitzer Franz Josef Wies­maier. Das Grundstück liegt im Gelände des späteren Rieger & Seil Steinbruchs. In der Donau­zeitung vom 27. August 1889 wird berichtet, dass aus diesem Steinbruch Platten mit weitaus mehr als 150 Zentnern Gewicht zu Bau­ten nach München geliefert worden sind.

 

Um das Jahr 1900 folgte ein neuer Besitzer. Es war dies der Bildhauer und Steinmetzmeister Josef Schuler sen. aus Passau mit seiner Firma „Granitwerke Passau“.

Josef Schuler sen. hatte am Severinstor 3 in Passau ein Steinmetzgeschäft. Er schuf vor allem Grab­denkmäler für den Passauer Innstadtfriedhof. Er wirkte 1895 an drei neuen Figuren an der Domfas­sade in Passau mit. 1901 schuf er ein Epitaph für den Bischof Michael von Rampf.

Schuler hatte um 1900 auch einen Bruch mit 20 bis 30 Mann in Hauzenberg, nahe bei Wotz­dorf, den „Schulerbruch“.

 

Es gibt ein Foto vom „Granitwerk Masering“ des Josef Schuler aus dem Jahr 1905 mit 19 Steinhau­ern und zwei Kantinenwirtinnen, die bei ei­nem Umtrunk vor einer Felswand posieren. In der Bild­mitte ist ein Schild mit der Aufschrift „Passauer Granitwerk, Betrieb Masering, 1905“ zu se­hen.

 

Am 16. April 1908 meldete das Linzer Volksblatt einen erneuten Besitzerwechsel. Die Granitwerk­gesellschaft Metten (richtige Bezeichnung „Niederbayerische Granit AG Paul Adler“) habe den Betrieb im Stein­bruch Masering vom vormaligen Besitzer, dem Bildhauer und Stein­metzmeister Jo­sef Schuler sen. aus Pas­sau-Innstadt im Jahr 1908 übernommen. Dieser war in Kon­kurs geraten. Die bisherigen Ar­beiter wurden weiterbeschäftigt.

Der Steinabbau durch die Mettener Granitwerkgesellschaft Adler dürfte kurz nach dem 1. Weltkrieg (1914 – 1918) geendet haben.

 

In einem Vertrag vom 12. Dezember 1921 übertrugen die Bauern Georg Gsödl (Masering 6) und Ludwig Hausmanninger (Masering 4, Madergut) der Firma Georg Käser von Tittling das unbe­schränkte Ausbeu­tungsrecht auf den Fl.Nr. 4432, 4433 (Gsödl) und 4434 (Hausmanninger). Der Ab­raum durfte unterhalb des Bahngleises auf den Fl.Nr. 4430 und 4747 abgelagert werden. Das Grund­stück Fl.Nr. 4436 konnte bei Bedarf ebenfalls ausgebeutet werden. Der Bruchzins für die Pro­dukte Reinarbeit und Pflastersteine war je nach Qua­lität genau beschrieben und war alle 14 Tage zu bezah­len. Georg Käser musste sich verpflichten, nicht weni­ger als 10 Mann zu beschäftigen. Der Vertrag hatte eine Laufzeit bis Dezember 1930. Die Flächen umfassten nun in etwa die Ausmaße des späte­ren Rieger und Seil Bruchs.

 

Über die Geschäfte der schon vor 1921 vorhandenen alten Kantine verfügte Gsödl.

Georg Käser musste sich verpflichten, während der Vertragslaufzeit jeweils im Herbst den Maserin­ger Bau­ern die Dampfdreschmaschine mit zwei Pferden wegfahren zu helfen.

In einer Schlussbemerkung werden evtl. mögliche Rechte der Firma Kerber am alten Fahrweg (zum späteren Streifingerbruch) ange­deutet und Rechtsstreitigkeiten mit der Firma Adler angesprochen. „Die bis jetzt er­standenen Advo­kats-Kosten gegen Herrn Adler übernimmt Herr Käser.“

 

1924 wird hier der Neubau eines Wohnhauses mit Kantinenwirtschaft auf Fl.Nr. 4433 dokument­iert. Es war dies die Kantine von Johann Katzdobler (1891 – 1924) und seiner Ehefrau Ma­ria, geb. Gsödl aus Masering 6. Die bereits Ende 1924 verwitwete Maria heiratete 1936 den Betriebsleit­er dieses Steinbruchs Johann Hof­bauer (1903 – 1980) und war weiterhin Kantinenwirtin. Das Kanti­nengebäude wurde 1975 abgerissen.

 

Eine Meldung in der Donauzeitung vom 7. November 1933 berichtet von der Wiederinbetriebnah­me des Bruchs. „Die Firma Rieger und Seil GmbH, Schotterwerke in Neustift, hat den Maseringer Steinbruch von den drei Maseringer Bauern gepachtet. Der Steinbruch war mehrere Jahre stillge­legt.

Die Vorar­beiten haben bereits begonnen und es ist zu begrüßen, daß eine Anzahl Arbeitsloser wie­der Arbeit finden wird.“

 

Verpächter waren die damaligen Eigentümer Braumandl Johann und Maria (Masering 5), Gsödl Georg und Anna (Englburger Straße 12/vormals Masering 6) sowie Mader Mathias und Franziska (Masering 4).

 

Für ein kleines Grundstück in diesem Bereich gab es einen 5jährigen Pachtvertrag mit dem Stein­hauer Ru­dolf Hausmanninger aus Loderhof „und zwei Genossen“. Dieser Vertrag konnte aber ein­vernehmlich schon früher aufgehoben werden.

 

Die Steingewinnung durch die Firma Rieger und Seil, die ihren Anfang 1882 in Neustift bei Vilsho­fen hatte, begann hier in Masering Anfang 1934.

 

Die Fa. Rieger & Seil baute den stillgelegten Bruch in einen modernen Steinbruchbetrieb um. Er er­streckte sich westlich und östlich des Bahngleises der Strecke Deggendorf – Tittling – Kalteneck auf einer Fläche von rund vier Hektar.

Es gab einen Kabelkran über das Bahngleis, ein eigenes Verla­degleis bei Bahnkilometer 43,9, ver­schiedene Betriebsgebäude und alles, was zur Technik der da­maligen Zeit gehör­te.

Der Bruch war auch während des 2. Weltkriegs in Betrieb.

1961 waren die Steinvorräte erschöpft. Für damals 40 Beschäftigte mussten neue Arbeitsplätze ge­funden werden.

Die Abbaugrube füllte sich danach mit Wasser. Dieser Bereich ist von einem Tauchclub gepachtet.

 

Die Firma Rieger und Seil hatte in Nammering/Schafreuth einen weiteren Zweigbetrieb. Im März 1931 wur­den dort, mitten in einer großen Absatzkrise, 50 Arbeiter neu eingestellt und beschäftigt, ab 1. Juni 1932 ins­gesamt 100 Mann. Die Weimarer Regierung hatte ein Investitionsprogramm auf­gelegt.

 

Beschäftigte im Tittlinger Steinbruch Rieger & Seil: 1954 – 90; 1961 – 40

 

Maseringer Bruch, Käser/Weingart

Der Steinbruch lag westlich der Ortschaft Masering. Grundbesitzer war Georg Gsödl aus Masering, zuletzt sein Sohn Josef. Die Trafostation stand auf Grund des Karl Mader aus Gneisting.

 

1926 pachtete der Baumeister und Steinbruchbesitzer Georg Käser (1858 - 1937) aus Tittling diesen Bruch. Laut Prof. Fritz Pfaffl hatte Käser nach 1900 etwa 15 bis 20 Steinbrüche aufgemacht.

Auf Käser folgte sein Schwiegersohn Josef Weingart (1883 - 1952), der mit Anna Käser verheiratet war.

 

Im Oktober 1938 wurde durch Pachtvertrag mit Georg Gsödl der Steinbruch Weingart um zwei Grundstücke erweitert.

 

In einem Materialprüfbericht wird 1942 auf die große ungeklüftete Gesteinsmasse im Südwestteil der Bruch­sohle hingewiesen.

 

Später wurde der Steinbruchbetrieb durch deren Sohn Georg Weingart (1917 - 2006) weiterge­führt. Im Jahr 1960 schloss Georg Weingart mit Gsödl einen Vertrag ab, der ihm die Nutzung des Bruchs „bis zur vollständigen Ausbeutung“ gestattete. Der Granit im Maseringer Bruch war besonders hart und stellte hohe Anforderungen an die Steinhauer. Zuletzt wurden hauptsächlich Leistensteine hergestellt.

 

Ab 1975 wurde der Maseringer Bruch des Josef Weingart von der Bayerischen Granit AG, Zweigniederlassung Blauberg weiterbetrieben. Im Übergabevertrag wurde die Weiterbeschäftigung des bisherigen Personals bei gleichen Arbeitsbedingungen vereinbart.

 

Nach der Stilllegung des Bruchs errichtete der ZAW Donau-Wald 1991 im ehemaligen Steinbruchgelände eine Kompostieranlage/Grüngutannahmestelle. Diese wurde 1996 vom Tochterunterunternehmen BBG Do­nau-Wald übernommen.

 

Beschäftigte im Weingart-Steinbruch: 1954 – 25; 1974 – 12

 

 

 

Rothau

 

Steingewinnung für die Eigennutzung, 2 Beispiele aus der Ortsflur Rothau

In einigen ihrer Grundstücke stießen die Besitzer im Gemeindebereich auf Granitgestein. Manchmal ragten große Felsen heraus. Beim eigenen Haus- und Stallbau und der Wegebefestigung konnten hier gewonnene Steine gut gebraucht werden. Manche Grundbesitzer haben geeignete Steine in kleinen Mengen bearbeitet und an größere Steinbruchunternehmen verkauft.

 

Am Wanderweg von Tittling (Heim St. Marien) nach Rothau gibt es zwei solcher Stellen.

Wenn der Wandweg das Tal des Rabersbachs verlässt, sind auf der rechten Bachseite etwa 100 m unterhalb zwei Grundstücke, aus denen früher von der Familie Mader Steine für den Eigenbedarf entnommen worden sind.

Wenn man dem Wanderweg bergauf Richtung Rothau folgt, findet sich nahe der Eiche am höchsten Punkt des Wegs das Zeugnis eines früheren Abbaus durch die Familie Falkner.

 

Behringer-Bruch

Der kleine Steinbruch des Max Behringer aus Lanzenreuth in Rothau lag nordwestlich des Anwe­sens See­straße 18 auf Pachtgrund der Familie Preis. Der Bruch war lt. Auflistung der Gemeinde 1956 nicht mehr in Betrieb.

 

Kusser-Bruch am Höhenberg

Baumeister Martin Stadler aus Tittling erwarb das Nutzungsrecht auf dem Höhenbergholzacker (Fl.Nr. 5131) ab 1890 für 10 Jahre von Georg Krenn (1856 - 1910), in der Hoffnung, daraus Nutzen beim Bau der jetzigen Pfarrkirche St. Vitus (1889 - 1892) zu ziehen. Georg Krenn hatte schon vor­her Steine für Steinmetzarbeiten für den Kirchenbau geliefert.

 

Besitzer dieses und weiterer Grundstücke wurden ab Anfang 1900 die Gastwirtseheleute Georg und Karolina Lindlbauer. Im Jahr 1901 übernahmen lt. Firmenchronik die Gebrüder Kerber O.H.G. aus Büchlberg pacht­weise den Steinbruchbetrieb als Nachfolger von Martin Stadler.

Ein 1903 vom Steinmetzmeister Johann Hausteiner (Herrenstraße 26) gekaufter Teil des heutigen Bruchs (Fl.Nr. 5131½, „Wald mit Steinbruch“) wurde erst 1912 von Georg und Karolina Lindlbau­er erworben.

Hausteiner, der aus Renfting/Hauzenberg stammte, betrieb hier ab 1903 die „Tittlinger Granitwer­ke“, die nach seinem Tod im August 1907 und dem seiner Frau Anna im Dezember 1907 in eine OHG überführt worden sind.Bis


Bis 1910 besaß diesen Steinbruch Adolf Ehrenwerth aus Berlin als Alleininhaber. Für den 21. Februar 1910 wurde die Versteigerung des Steinbruchs angekündigt. Am 24. Februar kamen gut 2000 Pflastersteine und 28 Meter Granitsteinfassungen sowie drei Granitblöcke zur Versteigerung.

Am 3. August sollten eine Reihe von Grundstücken im Steinbruchbereich versteigert werden.

Am 8. Juni 1911 bot der Rechtsanwalt Heizer den Steinbruch zum Kauf an.

Am 30. März 1912 berichtet die Donauzeitung vom Kauf des Steinbruchs durch den Viehhändler Georg Lindlbauer.

 

 

1915 kauften die Eheleute Lindlbauer den „Kriegerackerholz-Steinbruch“, Fl.Nr. 5100 von Georg Krenn hin­zu, 1841 noch „Kriegerackerhölzl“ genannt. Sie erbauten dort eine Steinhauerhütte mit Kontor und freiste­hendem Eiskeller.

 

Der gesamte Bruch wurde später von Georg und Agnes Käser aus Tittling gepachtet. Diese erbauten 1913 eine neue Steinhauerhütte mit Schmiede.

 

Georg Kusser aus Hauzenberg pachtete 1913/14 den Steinbruch von Georg und Karolina Lindlbauer aus Titt­ling. 50 Mann fanden hier Arbeit. Georgs Bruder Alois wurde mit der Leitung des Betriebs betraut. Im Jahr 1918 ging der Grundbesitz von Lindlbauer auf Georg Kusser über, ab 1937 an Alois Kusser (1889 – 1970) aus Tittling. Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg mussten die Granitwerke Kusser als Reparationsleist­ung Pflastersteine nach Frankreich liefern.

 

1959 pachtete Josef Kusser aus Renholding/Aicha v. W. den Steinbruch von seinem Bruder Alois. Heute wird der Bruch von den Kusser Granitwerken in Renholding/Aicha vorm Wald betrieben. Hauptsächlich werden heute aus dem Bruch Höhenberg Steine zur Weiterver­arbeitung gewonnen.

 

Im Jahr 1959 erbaute die Firma Kusser neben den Bahngleisen in Höhe des Anwesens Altenbuchi­ger eine Verladerampe. Die Granitpflastersteine konnten nun direkt vom Lkw in die Güterwaggons gekippt werden.

 

Im Laufe der Firmengeschichte Kusser wurden auch mehrere Steinbrüche in umliegenden Gemein­den betrieb­en, z. B. in Fürstenstein, Aicha vorm Wald und Eging.

 

Heute hat die Kusser Granitwerke GmbH ihren Hauptsitz in Aicha vorm Wald. Wie alle aktiven Unternehm­en verfügt die Firma über eine sehenswerte Homepage.

 

Beschäftigte im Werk Tittling-Höhenberg: 1954 – 35; 1974 – 47; 1994 – 13; 2022 – in Betrieb

 

 

 

 

 

Die Reihe wird fortgesetzt. HZ 2021/2022

Verwendete Quellen

Auskünfte von Bürgern, u. a. Johann Behringer, Josef und Marianne Böhm, Ludwig Ellinger, Elke und Peter Falkner, Anton Groll, Manfred Himpsl, Walter Knab, Karl König, Johann Krenn, Josef Krenn sen., Elfriede Kroll, Josef Kusser sen., Werner Merckenschlager, Ingrid und Stephan Rim­beck, Elisabeth und Alletto Rothhaar, Therese Seibold, Georg Seidl, Frieda Schmalhofer, Emma und Karl-Heinz Söldner, Matthias Stötter, Christa Weinzierl, Karl Wulzinger und eigene Recherchen

Auswertung von Fotos

Bayerisches Vermessungsamt, BayernAtlas, Topographische Karten von Tittling, online

Der bayrische Wald, Grueber Bernhard und Müller Adalbert, Verlag Manz, Regensburg, 1846, S. 159

Der Steinbruch, Zeitschrift für die Kenntnis und Verwertung der festen Gesteine, 1907, S. 19, 34 und 110

Dorfmeister, Herbert, Tittlinger Markt und Land, Wie es in unserer Heimat einmal gewesen ist, Herbert Dorfmeister und Markt Tittling, 2000, S. 224

Fischl Michael, Amtsblattbeilage 1994/5, 1997/1

Fischl Michael, Dr. Franz Hauzenberger, Dr. Herbert W. Wurster, 100 Jahre Pfarrkirche St. Vitus, Verlag Dorfmeis­ter, 1993, S. 51 ff

Götz Wilhelm, Geographisch-Historisches Handbuch von Bayern. 1895

Hauptstaatsarchiv München, Steinbruch X. Kubitschek (MHIG 6046), Steinbrüche Fa. Streifinger (MHIG 6023)

Hauzenberger, Franz, Die Steinbrüche in der Marktgemeinde Tittling, Ostbayerische Grenzmarken, 1984

Himpsl Manfred, Raster Willi, Das schöne Dreiburgenland, Verlag Senging, 2010, S. 296 ff

Internet-Recherchen

Ortschronik von Wiegand und Setzer, nicht veröffentlicht, Teil 06

Pachtverträge, einzelne

Pfaffl, Fritz, Die Steinbrüche im Bayerischen Wald, Die Geologie Bayerns Band VI, Ohetaler Verlag, 2012, S. 58 ff

Pfaffl, Fritz, Der Bayerische Wald, Beitrag zur Geschichte der Steinindustrie bei Tittling, Bayerischer Wald-Verein, Dezember 1992, Heft 28

RegioWiki, Josef Schuler sen.

Setzer Ludwig, Chronik des Marktes Tittling, Marktgemeinde Tittling, 1979, S. 111 ff

Sigl, Franz Seraphin, Pfarrer, Die wirtschaftliche Bedeutung der Steinindustrie für das Dreiburgenland, ihr Aufstieg und ihr Niedergang, Heimatglocken, September 1932

Staatsarchiv Landshut, Urkataster und Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Tittling

Stoabruch – Büchlberg, www.stoabruch-buechlberg.de, Chronik, Die Gebrüder Kerber Granitwerke Büchlberg

Zauhar, Herbert, Häuserbuch des Marktes Tittling, unveröffentlicht, 2009

Zeitungsberichte (Donauzeitung, Tittlinger Waldbote, Grafenauer Anzeiger, PNP u. a.)

Herbert Zauhar 2021/2022