Der heutige Gebäudekomplex am höchsten Punkt des Marktplatzes,


in dem das Modegeschäft Hep­pel im Erdgeschoss beheimatet ist, besteht eigentlich aus zwei Gebäudeteilen.

Marktplatz 13, das frühere Kaufhaus Berger

Der erste nachweisbare Besitzer dieses Anwesens war 1752/60 Andreas Strauß. Er und seine Frau Regina stammten aus Röhrnbach. Er besaß zur gleichen Zeit auch das benachbarte Hofwirtshaus.

Auf einen der Vorbesitzer geht der damalige Hausname „Baadl Anderl Haus“ zurück. Um wem es sich dabei genau handelt, ist unklar.

Um 1752 wird eine Warenhandel-Gerechtigkeit für Eisen, Salz, Backwaren und Gschmeid (Schmie­dewaren) vermerkt.

Der Graf von Taufkirchen soll hier später erfolglos versucht haben, eine „Cottonfabrik“ (Verarbei­tung von Baumwolle) zu errichten.

Interessant sind die Besitzer ab 1775. Mit Joseph Lorendl, Johann Larisee (Vater war Kaufmann in Venedig) und Alois Rauters Frau Theresia Cordulozi (aus Italien) kam südländisches Flair in dieses Tittlinger Handelshaus.

Ab 1839 besaß der Handelsmann Karl Kaltenecker dieses Wohn- und Geschäftshaus mit „Kräme­rei- und Fragnergerechtsame“. Beim Marktbrand 1864 wurde das Haus schwer beschädigt. Kurzzei­tig kam danach das Haus in den Besitz des Passauer Brauers und Tabakfabrikanten Ferdinand Ro­senberger. 1873 erwarb es der Metzger Joseph Simmerl, der mit der Posthalterstochter Agnes Mayer verheiratet war. Die Metzgerei hieß im Volksmund „beim Richter“, wohl ein Hinweis auf Joseph Simmerls Vater Anton Richter aus dem benachbarten Gasthof Marktplatz 9.

1911 erwarben Wilhelm und Maria Weishäupl dieses Anwesen und bauten es grundlegend zu einem Textilgeschäft um. 1928 kauften Albert und Maximiliane Berger aus Augsburg das Anwesen. Nach einigen Jahren wurden neben Textilien auch in einer eigenen Abteilung Lebensmittel angeboten.

Albert Berger schrieb auch immer wieder gehaltvolle Berichte für den 1929 begründeten Tittlinger Waldboten. Nach dem Tod von Albert Berger führten seine Witwe und anschließend seine Tochter das Geschäft weiter. Nach dem Umzug des Pfarramts in den Kirchweg 1973 wurde das benachbarte Gebäude erworben und bei einem Neubau in das Geschäftshaus integriert.

Seit 1991 sind die Geschäftsräume im Erdgeschoss an das Modefachgeschäft Wolfram und Petra Heppel vermietet.

Marktplatz 15, früher das Hofwirtshaus und der Pfarrhof

Der erste nachweisbare Besitzer des damaligen Hofwirtshauses war 1752/60 Andreas Strauß. Das Hofwirtshaus ist aber viel älter. Es wurde um 1634 von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt. Davon rührte der noch über 120 Jahre später gebrauchte Hausname „Schweden­haus“ her.

Nach Strauß folgten die Hofwirte Obermayer, Strasser, Valentin Altenbuchinger, Franz Maier, Theo­dor Maier und Anton Mayer. Ausgeschenkt wurde das Bier aus der gräflichen Schlossbrauerei Titt­ling, später Brauerei Mayer.

In einer Versteigerungsankündigung 1859 erfährt man die Bauweise vor dem Marktbrand 1864. Das unterste Stockwerk ist gemauert. Die zwei oberen Stockwerke sind gezimmert. Die Bedachung be­steht aus Legschindeln. Es gab auch „zwei obere Tanzböden“.

Eine Gebäudebeschreibung des wiederaufgebauten Anwesens von 1868 gibt Einblick in das vielfäl­tige Leben im Hofwirtshaus: Wohnhaus mit einem Stockwerk, mit Wirtschaftslokalitäten (Gasthaus) unter einem Dach, Pferde- und Kuhstall, mit Tanzsaal unter einem Dach, mit angebauter Wagenre­mise und Heuboden unter einem Dach, Holzremise, dann Sommersitz mit Kegelbahn und Hofraum.

Um 1911 erwarb Wilhelm Weishäupl das Hofwirtshaus. Er übertrug 1912 die „radizierte Bierwirt­schaftsgerechtsame“ auf die 1910 erbaute Bahnhofsrestauration.

1928 erwarb die kath. Pfarrkirchenstiftung das Anwesen und verlegte den bisherigen Pfarrhof von der Herrenstraße 9 hierher. Nach Umzug des Pfarramts in den Kirchweg wurde 1975das Gebäude abgerissen. Der Neubau wurde mit dem benachbarten Geschäftshaus der Familie Berger/van Douwe vereinigt.

Herbert Zauhar, 11.2020