Nach Süden hin wird der Marktplatz von der früheren Marienapotheke begrenzt.

 

Diese sah früher ganz anders aus und das Gebäude hatte auch eine andere Nutzung.

Das Gebäude war früher niedriger und ein „Gütl mit Bäckereigerechtsa­me“. Die ersten nachgewie­senen Bäcker waren hier ab 1684 der aus Sinching kommende Andreas Hochstätter und dessen Ehe­frau Maria Neißendorfer. Sie war eine Bäckertochter aus Windorf/Do­nau. Es ist nicht klar, ob bei­de eine verwandtschaftliche Beziehung zum Vorbesitzer nach Tittling geführt hat oder ob es ein Kauf des Anwesens war. In Tittling gab es 1510 zwei Bäcker. Einer davon könnte hier gelebt haben. Die Bäckertradition auf diesem Anwesen endete 1850 mit Max Wieland.

Bereits im Jahr 1850 bemühte sich die Gemeinde erfolglos um die Errichtung einer Apotheke in Tittling. Die Bemühungen hatten erst 1862 Erfolg. Ende 1862 errichtete hier der aus Eisenburg stammende Apotheker Karl Hohenegger und seine Frau Ida die erste Apotheke in Tittling. Vorher war Tittling ab 1842 einer der wenigen Orte, an dem ein dafür qualifizierter Arzt eine „Handapothe­ke“ führen durfte. Mit dieser konnte der Alltagsbedarf abgedeckt werden. Durch die Gründung der Apotheke erlosch dieses Recht, das für den Arzt eine zusätzliche Einnahmequelle ge­boten hatte und die Bindung der Patienten förderte. Und da beim Geld die Freundschaft aufhört, kam es anfangs zu gegenseitigen Anzeigen wegen Kompetenzüberschreitung.

Bereits 1869 ging die Apotheke an den Apotheker Theobald Ginker aus Tirschenreuth über. Ginker war Mitglied des liberalen Lesekreises, der im offenen Widerstreit mit dem Expositus Bauer lag.

1880 übernahm Julius Rebhan aus Bamberg die Apotheke und führte sie bis 1910. Im Januar 1880 heiratete er in Bamberg die Beamtentochter Johanna Karmann. Ein Kind der beiden starb im Klein­kindalter. Ein Sohn heiratete 1910 in Frankfurt/Main, eine Tochter 1911 in Würzburg.

In diesem Bereich kam es 1891/92 zu einer größeren Veränderung. Ein an die Apotheke (Hausnum­mer 44) angebautes Anwesen (Hausnummer 45) und das Anwesen Hausnummer 46 (Strickergütl) wurden abgerissen. Nun führte die Hauptstraße nach Passau nicht mehr über die Färbergasse, son­dern ab der „Apothekerkurve“ über die heutige Passauer Straße.

Im Jahr 1910 erwarb Carl Schneeberger aus Berching/Oberpfalz die Apotheke. Im Jahr 1925 erhöh­te er das Gebäude um ein weiteres Stockwerk und ein großes Dachgeschoss. Durch Artillerie­beschuss wurde die Apotheke bei den Kämpfen am 25. April 1945 zerstört. Obwohl zu diesem Zeit­punkt schon 70 Jahre alt, begann er zielstrebig den Wiederaufbau.

Neben seiner beruflichen Arbeit hat sich Schneeberger von Anfang an und bis zu seinem Lebensen­de für das Gemeinwohl eingesetzt. Im Jahr 1911 war er Mitbegründer der privaten Tittlinger Was­sergenossenschaft und war vier Jahrzehnte lang Geschäftsführer. Im gleichen Jahr erweckte er den Liederkranz zu neuem Leben und stellte sich bis 1931 als Vorsitzender zur Verfügung. 1921 war er Mitbegründer der BRK Sanitätskolonne Tittling. Er war zeitweise Vorstand des damaligen Turn­vereins und 14 Jahre lang stellvertretender Aufsichtsratsvor­sitzender des Spar- und Darlehenskasse­vereins. Vielen Vereinen war er ein Gönner. Ab 1918 war er lt. PNP mehrere Jahre Gemeinderat.

In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde Carl Schneeberger 1950 die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde verliehen.

Nach dem 2. Weltkrieg bis Ende 1952 fand hier der heimatvertriebene Apotheker Johannes Adamek eine Anstellung.

Anfang 1954 übernahm Dr. Walter Swoboda aus Steinau die Marienapotheke. Swobodas Ehefrau Martha war eine Tochter von Carl Schneeberger und dessen Ehefrau Frieda. Bereits Anfang 1966 verstarb Walter Swoboda. Die Apotheke wurde von seinem Sohn Walter weitergeführt.

Im Jahr 1982 erwarb Olga Hochleitner die Marienapotheke und führte diese bis Mitte 2002.

Über drei Jahrzehnte war hier auch eine Frauenarztpraxis. Nacheinander praktizierten hier der ArztPeter Killer (1984 - 1996) und die Ärztin Gabriele Weiß (1996 - 2016).

Heute sind in der früheren Marienapotheke die Naturheilpraxis Stefan Schmidt und Büroräume des Finanzdienstleisters Karlheinz Maier.

Herbert Zauhar 12.2020